MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ingeborg Hein
Die Nähmaschine – meine beste Freundin
Rentnerin
Auerbacher Ring 49
12619 Berlin
Im sächsischen Reinholdshain wurde Ingeborg Hein 1928 geboren, sie besuchte die Volksschule bis 1942 und wurde ins damals obligatorische Pflichtjahr einberufen, das sie in einer Großhandelsfirma für Lebensmittel und Süßwaren ableisten musste. Danach begann sie ihre berufliche Tätigkeit in einer Konfektionsnäherei, in der schon ihre Mutter tätig war. Mit dem Nähen war sie schon als Kind vertraut, es sollte sie, ob beruflich, für sich selbst oder für Angehörige nähend, stetig begleiten. Nach dem Krieg konnte sie in einer Maßschneiderei auch anspruchsvollere Arbeiten lernen und fertigen. Als ein Onkel eine kleine Weberei eröffnete und die halbe Familie dort beschäftigte, kam auch Ingeborg Hein ins Familienunternehmen, vor allem mit dem Spulen beschäftigt. 1951 hatte sie geheiratet, mit ihrem Mann Walter ist sie nun schon über 60 Jahre glücklich. Als der Sohn geboren wurde, kümmerte sie sich mehr um den Haushalt, das Kochen für die ganze Familie. Bald kam dazu das Nähen in Heimarbeit, ca. 60 Paar Handschuhe pro Tag war ihr hohes Pensum. Auch das zweite Kind, eine Tochter, wurde im Laufgitter neben der Nähmaschine groß.
Als der Mann als Dispatcher bei der Deutschen Reichsbahn nach Berlin gerufen wurde, war drei Jahre Wochenendehe angesagt, dann ging es auch für Frau Ingeborg und die Kinder in die Großstadt. Hier fand sie beim Postzeitungsvertrieb als Sachbearbeiterin in der Rechnungslegung eine neue Aufgabe, der sie mit Erledigung der Abbestellungen und Neuzugänge ebenso gerecht wurde. In den 16 Jahren bei der Post erlebte sie die sich entwickelnde Technik mit den moderner werdenden Rechenmaschinen bis hin zum Personalcomputer. Mit 60 Jahren ging sie in Rente, hatte wieder mehr Muße für das Nähen. Noch bis zum 75. Lebensjahr saß sie regelmäßig an ihrer Maschine, schneiderte vom Anzug und Windjacke für Sohn und Mann bis zum langen Abendkleid für sich selbst.
Lange Jahre war das Singen im Chor eine große Bereicherung für sie. Auch das regelmäßige Schwimmen und die Tanzgruppe hielten sie aktiv. Und das Essenkochen gehört nach wie vor zu den selbstverständlichen Freuden, einer in der Familie, zu der inzwischen vier Enkelkinder gehören, verwurzelten Frau.