MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ruth Basler
„Meine Enkelinnen sagen: Omi, wir wollen werden wie du!“
Siedlung 26
06139 Petersberg OT Teicha
Noch heute spürt man die Energie, die von der 1925 geborenen Ruth Balser ausgeht, die sie in ihrem beruflichen, gesellschaftlichen und sozialen Leben bestimmt hat. Man kennt Sie, man achtet sie, man liebt sie – in dem kleinen Ort Teicha. Und das nicht von ungefähr. Sie hat sich diese Anerkennung, diesen Respekt erarbeitet, ohne das jemals als Ziel gehabt zu haben. Nein, Ziel war es vielmehr, Notwendiges zu tun, zu entwickeln, zu unterstützen, anzukurbeln – und das mit einer ihr eigenen Freude, regionalen Verbundenheit und kulturellen Überzeugung. Nachdem Ihre Eltern 1936 in das beschauliche Örtchen Teicha zogen, sie von einer Schule mit Schiefertafel-Unterricht in eine Musterschule wechselte, nahm ihre Entwicklung einen gradlinigen Verlauf. Kindergärtnerin zu werden war ihr Wunsch. Doch nach der 8. Klasse standen nicht Wünsche sondern Erfordernisse im Vordergrund. Vater und Bruder in Gefangenschaft ließen sie zum Ernährer der Familie werden. Da war an Geld für eine höhere Ausbildung nicht zu denken. Und trotzdem gab sie ihren Traum nicht auf. Sie eröffnete mit einer Freundin – beide indessen Hilfserzieherinnen – in einem Wohnhaus einen Kindergarten, betreute in drei Gruppenräumen, einem Waschraum und einer Küche mit eigener Speisenzubereitung 50–60 Kinder unterschiedlicher Altersgruppen. 78 Mark brachte sie mit dieser Arbeit nach Hause, begann nebenher die Ausbildung zur Kindergärtnerin. Die Liebe sorgte für einen Zwischenstop in der pädagogischen Karriere. 1946 heiratete sie den Stellmacher Walter (verstorben 2000), dem sie nicht nur 53 schöne Ehejahre, das Erleben der Goldenen Hochzeit, sondern auch die gemeinsame Tochter Karin verdankt. Kurze Zeit arbeitete sie in einem Büro, wegen der für die kleine Familie wichtige, bessere Bezahlung, dann widmete sie sich wieder ihrem Traumberuf als Kindergärtnerin. Ihr ganz eigener, sensitiver, musischer und ethischer Umgang mit den Kindern, fiel auf und sorgte nach ihrem Studium zu ihrer Berufung als Referentin für Vorschulerziehung in den Rat des Kreises – eine Tätigkeit, die sie bis kurz vor der Rente ausübte. Ihr reichte jedoch nicht nur die Arbeit in der Pädagogen-Ausbildung, sie gründete darüber hinaus mit Unterstützung der Gewerkschaft Unterricht und Erziehung, einen Chor der Kindergärtnerinnen, der zu einem über die Kreisgrenzen bekannten Frauenchor wuchs. Als Abgeordnete und Vorsitzende der ständigen Kommission Volksbildung in Teicha, als Mitglied der Gemeindevertretung und Vorsitzende der Kreisseniorenvertretung, schrieb sie Geschichte, organisierte, knüpfte Kontakte, sorgte für kulturelles Leben in der Gemeinde, leitete die Teichaer Begegnungsstätte. „Ich bin 1985 wegen familiärer Probleme (Pflege des erkrankten Vaters) in Rente gegangen, und das war mir zu langweilig“, lacht und begründet sie. Stolz ist sie auf Tochter Karin, die genauso engagiert ist und von der man sagt“ Die ist noch einen Zacken besser als die Mutter“. So jemanden erzogen zu haben, den Staffelstab damit auch weitergereicht zu haben, ist eine solide Lebensleistung!