MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Evelyn Basel
Höhen und Tiefen und Mut
Ökonomin i. R.
Zwingerstr. 34
04720 Döbeln
Döbeln blieb, trotz einer Zwischenzeit in Hartha, ihre Heimatstadt, in der Evelyn Basel 1949 geboren wurde, heute gern lebt. Sprachen, das obligatorische Russisch wie das fakultative Englisch, gehörten zu ihren Lieblingsfächern der Schulzeit, doch später fehlten ausreichend Gelegenheiten für praktische Anwendung, was sie sehr bedauerte. Ab dem siebten Lebensjahr erhielt sie auch Klavierunterricht, aber das aktive Musizieren sollte nicht unendlich lang vorhalten. Eigentlich wollte sie Schneiderin werden, wie die Mutter, aber nach dem Abschluss der 10. Klasse 1965 an der Karl-Marx-Oberschule fand sich eine Lehrstelle als Handelskaufmann bei der Konsumgenossenschaft. 1968–1972 konnte sie an der Leipziger Fachschule ein Fernstudium der Ökonomie aufnehmen, das sie erfolgreich abschließen konnte. Beim Konsum blieb Evelyn Basel bis 1973, fand dann bei der städtischen Wasserwirtschaft neue Aufgaben.
1970 heiratete sie ihren Mann Arndt, der als Maschinenbauingenieur beim damaligen VEB DBM engagiert war. 1971 und 1975 wurden die beiden Söhne Frank und Jan geboren. 1979 fand der Umzug nach Hartha statt, da dort neben Arbeit auch eine moderne Neubauwohnung mit Fernheizung geboten wurde.
Gerade in einem der schönsten Momente, als sie sich 1993 auf der Fahrt ins Allgäu auf den Urlaub freuten, ereilte beide die Schwere des Lebens. Evelyn Basel kam beim Autounfall mit relativ leichten Blessuren davon, Arndt Basel war seit jenem Jahr auf den Rollstuhl angewiesen. Zwar fanden sie in Döbeln bald eine behindertengerechte Wohnung, aber Evelyn Basel war nun bis zu seinem Tod im Jahr 2004 fast ausschließlich für ihren Mann da, unterstützt von den eigenen Kindern, vom Cousin ihres Mannes und dem Vorsitzenden wie den Mitarbeitern des Behindertenverbandes, dem sie beide beitraten, dem Evelyn Basel bis heute nicht nur angehört, sondern durch ausgedehnte ehrenamtliche Arbeit (als Nichtpersönlichbetroffene hat sie die größte Bewegungsmöglichkeit, den besten Aktionsradius) verbunden ist. Auch dem Nachbarn im Rollstuhl gilt ihre Aufmerksamkeit. Der Kontakt zur Gesellschaft wird durch Familiensinn (der erste Enkel gehört dazu) wie manch persönliche Freundschaft regelmäßig gepflegt. Die achtzig Karl-May-Bände sind nicht nur gepflegter Schatz, sondern stetige Bereicherung ihrer Lektüre, so ist sie beim Lesen unterwegs von den Schluchten des Balkans bis zum Silbersee, vom wilden Kurdistan bis zum Rio de la Plata.