MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Doris Batram
Als die Tbc ihren Schrecken verlor
Rentnerin
Dunckerstr. 54
10439 Berlin
Zu den medizinischen Erfolgen nach dem Krieg gehörte die Ausrottung der Tuberkulose (Tbc). In den Jahren zwischen 1950 und 1970, als sie weitgehend ihren Schrecken verlor, war Doris Batram eine von denjenigen, die in den Röntgenabteilungen der Krankenhäuser und Polikliniken daran mitwirkten.
Geboren wurde sie 1932 in Tallinn, Estland. Als sich die Sowjetunion 1940 nach dem Hitler-Stalin-Pakt diese Republik einverleibte, wurde ihre Familie wie alle Deutschbalten zuerst auf besetztem polnischen Gebiet angesiedelt, 1945 zur Flucht ins Reich gezwungen. Diese endete in Naumburg an der Saale. Doris Batram besuchte die Oberschule (1938/48), wurde dann von der Volkskrankheit heimgesucht, die sie später bekämpfen sollte. Im Röntgenlabor ihrer Lungenheilstätte sammelte sie erste Erfahrungen, so dass sie beschloss, sich mit profunder Ausbildung diesem Problem zu widmen. An der neueröffneten Fachschule für medizinisch-technische Assistenten in Jena erwarb sie das Wissen, welches sie nach dem Studium am Berliner Krankenhaus der Volkspolizei einsetzen konnte. Sie bestand das Probejahr, konnte nach nochmaliger Prüfung ihr Examen bestätigen. Heirat (1955), die Geburt des Sohnes griffen in ihr Leben ein, nach drei Jahren als Hausfrau und Mutter wirkte sie wieder im Bereich Lungenfürsorge, wurde Abteilungsleiterin und war an der Entwicklung von Inhalationsgeräten beteiligt, die die Behandlung der Tbc-Kranken wesentlich voranbrachten. Auch in der Nachsorge sah sie wesentliche Aspekte ihres Wirkens. Als die diesbezüglichen Fallzahlen endlich sanken, der Erfolg sich einstellte, fand sie bei den Mukoviszidose-Patienten neue Herausforderungen. Diese tückische Stoffwechselerkrankung konnte noch nicht besiegt werden, viele Kinder hat Doris Batram darum sterben sehen, aber auch hier trug sie durch Mithilfe bei der Entwicklung neuer Geräte dazu bei, dass sich die Behandlungserfolge deutlich verbesserten.
Längst genießt Doris Batram den Ruhestand, Ehemann Manfred ist leider bereits 2011 verstorben. Ihr Sohn, die vier Enkelkinder und beiden Urenkel bilden ihre Familie, die sie ebenso liebt wie den Garten, in dem oft von Frühjahr bis Herbst gelebt, gewerkelt, gewohnt wurde. Auf zwei Reisen konnte sie ihre estnische Heimat inzwischen wiedersehen, das Haus der Familie stand noch, es ließ sich noch erkennen, wo einst ihr Kinderzimmer war.