MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gerhard Bastek
Um die Jugend betrogen – durch sie geprägt
13125 Berlin
Die Kindheit und Jugend von Gerhard Bastek, 1929 in Ostpreußen (heutige Polen) geboren, war vom Krieg geprägt. Er wuchs in einem kritisch denkendem Elternhaus auf, trat in die Fußstapfen seines Vaters und lernte nach dem Abschluss der 8. Klasse Volksschule bei der Reichspost als Postjungbote (Beamtenanwärter). Zu jung, ihn wie einen Erwachsenen einzusetzen, war er nicht, denn der 2. Weltkrieg nahm zu dieser Zeit (1944) bereits seine Wende. Bei entsprechender Wetterlage konnte man oft den Geschützdonner hören, der sich immer mehr der Heimat näherte. Schon längst wurden die Nachrichtenverbindungen immer mehr militärisch genutzt. Der 15 Jahre junge Gerhard wurde wie jeder Erwachsene entsprechend in 12-Stunden-Diensten und Nachtdiensten eingesetzt. Er hatte es zudem versäumt sich bei der Hitlerjugend (HJ) anzumelden, wurde daher polizeilich vorgeladen und in die „Pflicht-Hitlerjugend“ verpflichtet. In einer Versammlung der NSDAP musste er eine öffentliche Kritik wegen seiner Dienstverweigerung bei der HJ über sich ergehen lassen. In der Öffentlichkeit hatte er schikanöse Aufgaben unter polizeilicher Aufsicht zu erledigen. Alles in allem Maßnahmen, die einen so jungen Menschen in seinem Selbstwertgefühl angriffen und nicht dazu angetan waren seine kritische Sicht auf die Dinge zu verändern. Im Januar 1945 spitzte sich die Situation zu. Er erlebte den ersten Luftangriff auf die Stadt Ortelsburg und das Postamt mit, dessen Evakuierung und in deren Verlauf seine eigene Flucht im zugigen, eiskalten Bahngüterwagen. Es folgte ein kurzer Zwischenstop beim Postamt Plathe (Pommern). In dem Tumult, in Folge der herankommenden Front, wurde er ohne Fahrpraxis und Führerschein zum Führen eines Post-Lkw verpflichtet. Mit Mühe entging er danach dem Zugriff der Feldgendamerie, die auf dem Bahnhof neue Opfer für den schrecklichen Krieg suchte. Er schaffte es nach Berlin, um hier den zweiten großen Luftangriff mitzuerleben. Das Ziel seiner Flucht war Halberstadt, wo die Mutter mit den Geschwistern bei Verwandten untergekommen war. Er erreichte sein Ziel, arbeitete wieder bei der Post, bis zum 8. April 1945, als auch Halberstadt bombardiert und zu ca. 70 % zerstört wurde. Bereits vier Tage später von den Amerikanern eingenommen, wurde Gerhard Bastek verpflichtet in einer ihrer Militäreinheiten auf dem Flugplatz zu arbeiten. Mit dem Wechsel der Besatzungsmacht und Einzug der Roten Armee, konnte er wieder bei der Post arbeiten. Er qualifizierte sich zum Postfacharbeiter, belegte Lehrgänge, schloss Prüfungen ab für den mittleren Dienst. Gesellschaftlich engagierte er sich im Jugendbetriebsrat und in der Postgewerkschaft. Nach dem Besuch von Gewerkschaftsschulen wurde er hauptberuflich bei der Postgewerkschaft tätig. Nach seinem Studium an der Gewerkschaftshochschule wurde er im Zentralvorstand der Postgewerkschaft eingesetzt. Während der späteren Arbeit beim FDGB erlangte er im Fernstudium den Abschluss als Dipl.-Ökonom, arbeitete dann in der Staatlichen Kontrolle (spätere Arbeiter- und Bauern-Inspektion – ABI) und ab 1965 bei der Deutschen Post im Institut für Post und Fernmeldewesen, wo er dem Arbeitswissenschaftlichen Zentrum als Leiter vorstand. Im Fokus seiner langjährigen arbeitswissenschaftlichen Tätigkeit stand immer das Bestreben solide, zukunftsträchtige Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter der Deutschen Post zu fordern und zu gestalten. 1992 beendete er den Postdienst bei der Bundespost. Er erinnert sich lächelnd daran, wie seine illegalen Kontaktaufnahmen zur Postgewerkschaft der BRD erst von offiziellen DDR-Besuchen und mit der Wende von gemeinsamen Zukunftsgesprächen abgelöst wurden. Viel hat er erlebt, viel hat er bewegt. All das in Gemeinschaft mit seiner Frau Sieglinde, mit der er seit 1955 verheiratet ist, zwei Kinder hat und heute seinen Ruhestand genießt.