MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gisela Hecht
„O-kaeri-nasai!“
Büroangestellte i. R.
Badeweg 3
17033 Neubrandenburg
Fon: 0395 / 5825111
Begibt man sich auf die Suche nach lebensbejahenden Menschen, stößt man unwillkürlich Gisela Hecht. „Das große Ziel des Lebens ist zu sein, wer wir sind und zu werden, wozu wir fähig sind.“ Jörg Löhrs Worte könnte er gezielt für die optimistische Pensionärin kreiert haben, die stets alles ausreizte, wozu sie fähig war und damit das große Ziel des Lebens erreichte.
Geboren wurde Gisela Hecht am 21.09.1942 in Wolfshagen. Sie ist froh, keine Erinnerungen an den Krieg zu haben, sie war noch zu klein. Doch wurde sie von etwas anderem heimgesucht. Im Alter von 12 Monaten erkrankte sie an Kinderlähmung. Von 1945 bis 1949 war es nicht möglich, behandelt zu werden. Später wurde sie bei Krankenhausaufenthalten mehrmals operiert und zeigte ihre Kämpfernatur. Ein Jammern aus ihrem Munde war nie zu vernehmen und trotz Behinderung bewegt die freudvolle Autofahrerin noch immer ihren PKW durch die Lande.
1949 eingeschult, zog die Familie 1951 nach Burg Stargard, wo sie die Schule beenden konnte. Den Einstieg ins Berufsleben fand sie als Lagerarbeiterin im Reparaturwerk Neubrandenburg, dem damals größten Arbeitgeber der Region. Um 1965 herum wechselte Gisela Hecht in den Verwaltungsbereich und arbeitete bis zur deutschen Vereinigung als Büroangestellte. Sie war einsatzfreudig und zuverlässig und nicht nur auf beruflicher Ebene ist sie sehr stolz darauf, sich nie vor etwas gedrückt zu haben. Trotz körperlicher Einschränkungen macht sie alles, was sie kann und bezieht daraus Stärke und Selbstbewusstsein.
Nach der Wende entlassen, nutzte sie bis zum Erreichen des Rentenalters eine Vorruhestandsregelung und kümmerte sich um ihren Mann. Kennen gelernt hatte sich das Paar zur Kur in Bulgarien und mit verschmitztem Lächeln plaudert Gisela Hecht: „Damals war Horst mein Kurschatten.“ 1984 heiratete sie den studierten Elektro-Ingenieur und pflegte ihren kranken Mann in den letzten Jahren aufopferungsvoll. Er verstarb 2006.
Heute unternimmt sie u. a. Spaziergänge oder Theaterbesuche mit einer Bekannten und engagiert sich in der Besuchergruppe des Deutschen Berhindertenverbandes.
Dem Reisen schon immer zugetan, begrüßte sie die Wendezeit sehr, denn endlich war es möglich, den Duft der Kontinente schnuppern zu dürfen. Die jährliche Kreuzfahrt führte sie neben vielen anderen Ländern bereits nach Italien, Brasilien, Thailand, Malaysia und Indien. Da es ihr größter Wunsch ist, noch viel von der Welt kennen zu lernen, ist die nächste Reise natürlich schon gebucht. Es geht nach Japan, wo sie von den zuvorkommenden Asiaten herzlich willkommen geheißen werden wird: „O-kaeri nasai!“