MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ursula und Dieter Harzendorf
Bewegte Zeiten gemeinsam erlebt
Spinnerin, Köchin
Traktorist, Berufskraftfahrer
Kleine Seite 7
09322 Penig OT Niedersteinbach
Sie wohnen in Niedersteinbach, einem Ortsteil von Penig in Sachsen, und sind seit 1961 verheiratet. Dieter und Ursula Harzendorf haben eine Tochter (Diana, geboren 1964, Pharmazieingenieurin) und ein Enkelkind. Sie schätzen ihr Familienleben und die Zweisamkeit und – sie wollen noch viele gemeinsame Jahre in Gesundheit und Frieden verbringen. Stets haben sie fleißig gearbeitet, wurden mehrfach als Aktivisten ausgezeichnet, haben Höhen und Tiefen überstanden und sie genießen nun ihr Rentnerleben. 1940 in Sulkau in Schlesien geboren, wuchs Ursula ohne Vater auf. Er galt als kriegsvermisst. Als sie vier Jahre alt war, flüchtete sie mit Mutter und der 80-jährigen Oma sowie den Geschwistern im Januar 1945 bei Kälte mit dem Pferdewagen aus der Heimat. In Oberhain besuchte Ursula 1947-1955 die Schule. Sie sollte noch länger lernen und Lehrerin werden, doch das wollte sie nicht. Nach der 8. Klasse lernte sie in Amerika zwei Jahre Kammgarnspinnerin. 1955-1964 blieb sie im Beruf, bevor Ursula ihre Tochter zur Welt brachte und mit dem Kind ein Jahr zu Hause blieb. 1965-1990 war sie in einer LPG-Küche beschäftigt und hatte dort die Leitung übernommen. Bevor die Wende kam, nahm sie mit ihrem Mann an der Demo in Leipzig teil. Heute sind beide stolz darauf, bei der friedlichen Revolution im Herbst 1989 dabei gewesen zu sein. Bevor Ursula Harzendorf 2000 in Rente ging, arbeitete sie auf einem Reiterhof in der Küche und erinnert sich gern an schöne Zeiten. Sie kochte für Ferienkinder und richtete Familienfeste mit aus. Ehemann Dieter, geboren 1941 in Steinbach im Kreis Altenburg, arbeitete als Traktorist und Berufskraftfahrer, nachdem er in der Landwirtschaft mit einem Bruder aufwuchs. Der Vater bestimmte den Berufsweg, doch Sohn Dieter nahm das nicht hin, sondern setzte sich stets zur Wehr. Er hatte andere Vorstellungen vom Leben, ging von 1947-1955 zur Schule und machte schon mit 16 Jahren seinen Führerschein für Zugmaschinen. Vom Bus bis zum Lkw hatte er alle Scheine in der Tasche. Als die Wende kam, war er, der zuvor in Schichten in einer Kiesgrube arbeitete, erst 49 Jahre alt und arbeitslos. Für eine Westfirma, die die Kiesgrube übernommen hatte, fuhr er Sand und Schotter, wurde als Brigadier beim Autobahnbau Kulmbach/Bamberg eingesetzt, bis er 1991 entlassen wurde. Es kam zu einem Rechtsstreit, man hätte ihn wieder einstellen müssen, aber Dieter Harzendorf stieg bei einer anderen Firma ein und blieb dort bis zur Rente. Heute spricht er, der von der Stasi bespitzelt wurde, von einem kampferfüllten Leben. Stets war er in seiner Freizeit vom Fußballspiel fasziniert, spielte selbst aktiv und verfolgt heute die wichtigsten Spiele im Fernsehen.