MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gertrud Hartmann
Tue recht und scheue niemand
Lehrerin im Ruhestand
Diplompädagogin
17033 Neubrandenburg
Fon: 0395 / 5441401
Was ist ihr größter Wunsch? Gertrud Hartmann muss nicht überlegen, nicht abwägen: „Den Frieden erhalten!“ Sie hat bereits als Kind die Schrecken eines Krieges erlebt - mit Ereignissen und Bildern, die sie nie vergessen konnte.
Am 30. Januar 1945 beginnt für die Zwölfjährige, geführt von ihrer gerademal 15 Jahre alten Schwester die Flucht vor der näher rückenden Front aus ihrem Geburtsort Billstein in den Masuren. Die Mutter blieb dort zurück. Der Vater war 1944 eingezogen worden, nachdem er die Brennerei, die er verwaltete, in die Luft sprengen musste. Ihn sahen Frau und Kinder nie wieder. Die beiden Mädchen zogen mit den Flüchtlingstrecks in Richtung des Frischen Haffs, das sie auf dem Eis überquerten. Sie erlebten die Angriffe von Tieffliegern und Bombern, sahen die vielen toten Menschen und Pferde, zerbombte Fluchtwagen und auch die von der Feldpolizei (Kettenhunden) erhängten Soldaten mit Schildern wie „Feigling“ oder „Deserteur“. Hass auf Krieg und Unrecht und die Sehnsucht nach Frieden prägten fortan Gertruds Handeln.
Die Mutter, im Dezember 1946 aus Polen ausgewiesen, holte Gertrud von Pellworm, wo sie nach der Flucht bei Pflegeeltern lebte, nach Berlin. Hier besuchte sie bis zur 10. Klasse die Schule, arbeitete in einem Kindergarten und wurde nach dem 1954 begonnenen Studium Lehrerin und Horterzieherin. 1961 bewarb sie sich als Assistentin an der Pädagogischen Hochschule Halle und wirkte bis 1980 im Lehrstuhl Pädagogik. Gleichzeitig absolvierte sie ein Fernstudium an der Humboldt-Universität und fertigte 1966 ihre Diplomarbeit, die mit der Note 1 bewertet wurde. Im Jahr 1980 wechselte sie an die Pädagogische Hochschule nach Güstrow. Auf Grund einer Stimmerkrankung wurde sie zwei Jahre später teilinvalidisiert und arbeitete dann im Hort einer Polytechnischen Oberschule.
Als ihr Mann Dr. Günter Hartmann, sie hatten 1961 geheiratet, 1989 in Neubrandenburg als Dozent im Fach Geschichte an der Hochschule zu lehren begann und diese Stadt auch ihr Wohnort wurde, nahm sie keine Tätigkeit mehr auf. In Erinnerung an ihre schöne Kindheit in der Natur wurde nun der Kleingarten ihr Betätigungsfeld. Aktiv engagierte sie sich mit ihrem Mann in der Europa-Union.
Gertrud Hartmann ist stolz auf ihre Lebensleistung und ihre Familie mit den beiden 1968 geborenen Kindern Irene und Klaus. Den Frieden zu erhalten und in Harmonie und Eintracht zu leben, ist für sie das größte Glück.