MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Lothar Hartung
Jurist ohne Abi und 10. Klasse
Rentner
Fuchsbergeweg 17
12683 Berlin
„Schneider wirste“, hatte der Vater gesagt, der Beruf der Eltern sollte das Leben des Jungen prägen. Es kam anders. Zwar begann der 1928 in Berlin geborene Lothar Hartung pflichtgemäß seine Ausbildung als Herrenmaßschneider bei Peek & Cloppenburg (Bekleidungshaus in Berlin), musste die Lehre aber wegen der Kriegsereignisse in Berlin abbrechen und lernte im pommerschen Alt Malchow (Kreis Schlawe) bei einem privaten Meister weiter. Dann ging es nach Kriegsende zurück nach Berlin. Die Gesellenprüfung legte er in Neubrandenburg ab, arbeitete bei den Eltern im Geschäft, das nach dem Ableben des Vaters die Mutter übernahm. Sie fertigten die Uniformen für die neugegründete Volkspolizei der DDR. Die guten Kontakte zum Volkspolizeikreisamt führten ihn auf einen neuen Weg, zur Kriminalpolizei. Er begann eine Ausbildung in Kriminaltechnik, wurde in Schwerin bald Ermittler in Strafsachen, konnte Taten aufklären, Täter dingfest machen. 1951/53 wurde der Abgänger der 8. Klasse Volksschule zum Studium an die Hochschule für Justiz delegiert, anschließend folgte noch ein dreijähriges Fernstudium zum Staatsanwalt. Ende 1956 durfte er als Diplom-Jurist firmieren, der Bedarf an neuen Kräften bewirkte diesen ungewöhnlichen Bildungsgang, der gleichwohl für engagierte Kräfte sorgte. Bereits seit dem Jahr zuvor agierte er als Staatsanwalt im thüringischen Bezirk Suhl. Zehn Jahre später ging es zurück nach Berlin, wo er bei der Generalstaatsanwaltschaft der DDR tätig wurde. Er arbeitete dem Generalstaatsanwalt zu, verantwortete dann für 25 Jahre die Kriminalstatistik der DDR. Kurz nach der Wende wurde er in den Ruhestand versetzt.
Seitdem genießt er die Ruhe der Natur auf dem Grundstück, betrieb Ackerbau und engagierte sich im Vorstand des Kleingartenvereins.
Seit der Schulzeit sportlich aktiv, war er lange Jahre weiter Ski gelaufen, ein Unfall zeigte ihm inzwischen seine Grenzen. Er konnte den Jagdberechtigungsschein erwerben, hat Kaninchen gezüchtet. Er hatte 1950 geheiratet, freut sich an Kind und Enkelkind.
Als Berliner erinnert er sich besonders gern an die offene Atmosphäre während der Weltfestspiele der Jugend 1951 und 1973.