MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Christa Hantzsch

„Die Christa macht ihren Weg, glaubt das nur!“ (Opa Oskar)

Christa Hantzsch

Apothekenfacharbeiterin
Apothekerin
Karlstr. 1
08371 Glauchau
Fon: 03763 / 442615

Das Mädchen Christa Pusch wurde 1938 als Tochter eines Stellmachermeisters und einer Näherin in Niederschlesien geboren. Ihre Kindheit war von den Kriegs- und Nachkriegsereignissen überschattet. Der Vater fiel in den letzten Kriegswochen. Als sich die Front dem Heimatort näherte und die ersten Menschen die Flucht antraten, schloss sich Christas Familie dem nicht an. Ihr Großvater hatte den 1. Weltkrieg er- und überlebt und war der Überzeugung von den Russen angemessenen Umgang mit der Zivilbevölkerung erwarten zu können. „Wir wussten ja nicht, was unsere Soldaten dort alles angerichtet hatten,“ berichtet Christa rückblickend und wissend, dass es anders kam. Die Großeltern entschieden also ihre kleine Landwirtschaft, Haus und Hof nicht zu verlassen. So blieben auch Christas Mutter und ihre Schwester. Dem Kriegsende folgte das Eintreffen der polnischen Siedler und deren Übernahme des Anwesens. In einer Bodenkammer untergebracht war Christas Familie nun Gast im eigenen Haus – bis zur Zwangsausweisung aus der Heimat im Oktober 1946. Im Viehwagen ging es nach Hoyerswerda, wo sie in einem Lager verharrten bis zum Weitertransport nach Glauchau. Der Saal des Tanzlokals „Lindenhof“ wurde für ca. 300 Menschen erstes Quartier bis zur Wohnraumzuweisung und möglichen Neubeginn. Der begann für Christas Familie in einer Bodenkammer ohne Licht mit drei Betten für fünf Personen. „Ich habe alles bewusst miterlebt, weiß alles noch ganz genau,“ sagt Christa und wundert sich noch immer was die Menschen damals verkraftet haben. Erst mit acht Jahren konnte sie regelmäßig die Schule besuchen. Lesen und Schreiben, Rechnen hatte sie zuvor bereits bei Opa Oskar gelernt. Als Arbeiter- und Bauernkind wurde ihr eine Lehre bei der Bahn versagt. Sie sollte die Oberschule besuchen. Das tat sie dann auch, legte das Abitur ab (Note 1) und wurde trotzdem nicht zum Pharmazie-Studium zugelassen, ihres Glauben wegen. Diese Ungerechtigkeit setzt ihr heute noch zu. Sie blieb jedoch dem Berufsbild treu, wurde Apothekenfacharbeiterin und konnte über diesen (Um-) Weg später doch noch an der Universität Greifswald das gewünschte Pharmazie-Studium absolvieren. In einer Apotheke in Stolberg bestritt sie ihr erstes praktische Jahr als Kandidat der Pharmazie, erhielt dann ihre Approbation und wechselte in die Krankenhaus-Apotheke Glauchau. 1966 übernahm sie eine eigene Apotheke. Die politische Wende in der DDR stellte sie erneut vor eine große Herausforderung. Durch Treuhand wurden auch die Apotheken abgewickelt, was bedeutete: Schließung oder Kauf. Doch Kauf wovon? Neue Ware kaufen womit? Alle Mitarbeiter mussten zudem übernommen werden. Der eigene Mann (Wolfgang Hantzsch, Ingenieur für Textiltechnik, Hochzeit 1972, im gleichen Jahr Geburt von Sohn Uwe) war indessen entlassen worden. Bekannte warnten vor dem Risiko. Westdeutsche Kollegen rieten zu. Christa Hantzsch entschied sich für das Wagnis. Ihre Mutti überließ ihr die gesamten Ersparnisse, eine Bank gab einen kleinen Kredit. Schlaflose Nächte, gesundheitliche Auswirkungen begleiteten den Kampf sich erfolgreich zu etablieren. Freude an der Arbeit, ein gutes, familiäres Team waren der Lohn. Im Jahr 2002 beendete Christa Hantzsch ihre Berufstätigkeit, verkaufte die Apotheke. Aufmerksam beobachtete sie heute den Wandel der Zeit und wünscht sich Friedlichkeit, Zusammenhalt und ein Miteinander statt einem Gegeneinander.
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