MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Harald und Ilka Harnisch

Ein Mann aus Stahl und seine Stadt aus Eisen

Harald und Ilka Harnisch

Baggerfahrer, Gästeführer
Verkäuferin, Bankkauffrau
Zilleweg 6
06772 Gräfenhainichen OT Zschornewitz
Fon: 034953 / 89184

Entschlossenheit gehört zu den besten Eigenschaften von Harald Harnisch. Einst war er programmiert, eine Karriere im DDR-System zu machen, trat jung in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) ein, agierte als Instrukteur der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), verpflichtete sich als Soldat auf Zeit. Als aus Mitbürgern plötzlich Westverwandtschaft wurde, waren seine Chancen rapide gesunken. Da riskierte er den Bruch, trat aus der SED aus, ging auf eigene Faust vom Schreibtisch in den Tagebau. Geboren wurde er 1948 in Raguhn. Der Sohn eines Berufsschullehrers besuchte die Schule in Zschornewitz bis zur 10. Klasse, ließ sich als BMSR-Techniker (Betriebs-, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik) in den Kraftwerken von Zschornewitz und Vockerode ausbilden, interessierte sich für die See und wurde bei der GST Instrukteur für maritime Ausbildung, besuchte die Seesportschule in Greifswald. Die Nationale Volksarmee, in der er vier Jahre diente, holte ihn zwar für den Bereich Funk-, Mess-Raketentechnik an die Küste, aber nie auf Hohe See. Als der Obermaat ins Zivilleben zurückkehrte wurde er Instrukteur beim GST-Kreisvorstand, besuchte die Parteischule in Ballenstedt. Dann begann das politische Theater. Er wurde von der GST entlassen und „nur“ Mitarbeiter für Naherholung und Tourismus beim Rat des Kreises Gräfenhainichen. Als er erneut in die Mangel genommen wurde, wechselte er 1977 in den Braunkohletagebau, machte noch eine Ausbildung zum Bergbaumaschinist, arbeitete im Schichtbetrieb, war zuletzt Baggerfahrer und 1996 der letzte dieser Zunft, der den Bagger im Tagebau Golpa-Nord in Bewegung setzte und dann für immer abstellte. Seitdem wirkt Harald Harnisch mit besten Branchenkenntnissen und immer erhalten gebliebenem Humor als Gästeführer für die Braunkohlelandschaft der Umgebung im südöstlichen Sachsen-Anhalt, vor allem für den Bergbautechnikpark „Ferropolis“, der Stadt aus Eisen auf der Halbinsel im Gremminer See bei Gräfenhainichen. Seit 1967 (Heirat 1969) ist Frau Ilka an seiner Seite. Sie wurde 1945 in Golpa geboren, einem Ort, der weitgehend dem Kohleabbau zum Opfer fiel. In den Nachbarorten Möhlau und Zschornewitz besuchte sie die Schule, schloss mit der 8. Klasse ab. Mit ihrer Berufsausbildung als Textilfachverkäuferin bei der Staatlichen Handelsorganisation (HO) war der Abschluss der 10. Klasse verbunden. Sie arbeitete danach im Beruf, doch ihre Gewissenhaftigkeit half ihr, später bei der Kreissparkasse als Kassiererin erfüllte Berufsjahre zu verbringen. Sie konnte den Abschluss als Bankkauffrau nachholen, stieg aber 1983 aus familiären Gründen aus dem Berufsgeschehen aus. 1977 war Tochter Antje geboren worden, 1982 Sohn Tobias gefolgt. Letzterer sorgte auch für die beiden Enkelkinder, die heute die Freude der Familie sind.
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