MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Helga und Walter Hartert

„Man benötigt nur wenig, um ein glückliches Leben zu führen.“ (Marc Aurel)

Helga und Walter Hartert

Examinierte Krankenschwester, Lohnbuchhalterin
Meister für Elektroinstallation, Ing.-Pädagoge
Pappelstr. 1
04567 Kitzscher

1940 in Lerchenborn, Kreis Lüben (heute Polen) geboren, war Walter Hartert noch keine fünf Jahre alt, als der Opa mit ihm am 8. Februar 1945 aus der Heimat floh. Er erinnert sich noch, in der Nähe von Dresden die Bombardierung der Stadt miterlebt zu haben – an die „Christbäume“ am Himmel. Die Menschen nannten diese Zielmarkierungen der den Bombern vorausfliegenden Beleuchtermaschinen so wegen ihres charakteristischen Aussehens. Der Himmel und die Ziele wurden minutenlang taghell erleuchtet, um die zerstörirische und totbringende Fracht der Bomber platzieren zu können. Auf dem Planwagen des Opas befanden sich der Hausrat, Wäsche, die Aussteuer der Mutter, das Futter für die Pferde und in der anhängenden Kutsche saß der kleine Walter, ängstlich bedacht nicht seinen Opa aus den Augen zu verlieren, verlassen im Nirgendwo oder bei fremden Leuten zurückzubleiben. Letztendlich in Wickershain angekommen, wurde die Region zu seiner Heimat. Hier wuchs er auf, hier lernte er, hier kam 1947 seine Mutter an, die er nicht mehr wiedererkannte. Bei einer Bauernfamilie zwangsweise untergebracht, arbeitete der Opa dort als Knecht und er wuchs mit der Tochter der Bauern zusammen auf. Ein Glück in dieser Zeit, denn wenigstens lernte er keinen Hunger, keine Not kennen. In Kitzscher erhielt die Familie 1950 eine Neubauernstelle (Vater kehrte 1948 aus dem Krieg zurück), konnte sich eine neue Existenz aufbauen. Zu viert in zwei unbeheizten Zimmern – so begann ihr neues Leben. Am Tag Schule, am Nachmittag und am Abend Feldarbeit – das war nun sein Los und führte zu dem Entschluss auf keinen Fall Bauer zu werden. Lehrstellen waren rar, die Eltern interessiert den Sohn auf dem Hof zu halten. Letztendlich durfte er doch eine Ausbildung zum Elektriker bei einem privaten Elektromeister machen, wechselte später für einen besseren Verdienst zum Kombinat Espenhain, arbeitete hier auf der Förderbrücke und verdiente statt 50 Mark die Woche nun sagenhafte 500 Mark im Monat! Die gewünschte Delegierung des Betriebes zum Studium erhielt er nicht, musste erst eine dreijährige Verpflichtung für den Armeedienst annehmen. Zurückgekehrt, hatte er andere Pläne, wollte die Firma seines ehemaligen Ausbilders übernehmen. Voraussetzung war eine dreijährige Meisterausbildung, die er erfolgreich 1963–1966 in Leipzig absolvierte. 1961 hatte er geheiratet, 1962 war Tochter Christine geboren worden, 1964 Tochter Kerstin – Zeit die beruflichen Entscheidungen mit den Wohnraumerfordernissen in Übereinklang zu bringen. Als Schichtelektriker im Kraftwerk Espenhain konnte er eine Werkswohnung beziehen, ab 1965 bis zur Wende in der Berufsausbildung (Lehrmeister, Studium zum Ing.-Pädagogen, Lehrobermeister) arbeiten. Danach bis 2000 als Ausbilder im Berufsfortbildungswerk beschäftigt, ging er 2003 in den Ruhestand. In den Jahren 1967 und 1968 waren die Kinder Uta und Thomas geboren worden, vier Enkel bereichern heute das Großeltern-Dasein. Ehefrau Helga Hartert (geb. 1942) hat ihre berufliche Entwicklung stets auf die Familie ausgerichtet. Kinderkrippen-, Kindergartenplätze, Wohnbedingungen standen im Vordergrund. Sie wurde von der Krankenschwester zur Lohnbuchhalterin, nahm nach der Wende verschiedene Weiterbildungen wahr und genießt heute das Rentnerleben. Dass die vier Kinder jetzt erfolgreich ihr Leben meistern, der Zusammenhalt in der Familie da ist, ist zum großen Teil ihr Verdienst.
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