MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Siegfried Hain
Russisch als Überlebenshilfe
Hauer, Bodenmeister, Schichtmeister
Am Rittergut 53
04720 Gebersbach
Im schlesischen Sprottau war er 1931 als Ältester von drei Geschwistern geboren worden. Der Vater arbeitete in der Wilhelmshütte Eulau, die Mutter in einer Strumpffabrik. Doch die Zeiten wurden kompliziert. Das gewohnte „Grüß Gott“ kam noch über die Lippen, als schon der faschistische Gruß gefordert war. Nur sechs Jahre konnte der junge Siegfried richtig die Schule besuchen, aus der im Krieg ein Lazarett wurde. Die Jugendlichen mussten Panzersperren bauen, die wenig nützten. Bald marschierte die Sowjetarmee in Schlesien ein. Für den gerade Vierzehnjährigen brachen spannende Zeiten an, denn durch die Freundschaft (samt manchem Abenteuer) zu jungen Russen lernte er bald deren Sprache, die ihm im Leben noch sehr nützlich werden sollte, auch wenn es mit dem Schreiben haperte. So konnte er sich mit russischer Unterstützung gegen die bald polnischen Verwaltungen durchsetzen. Sie wurden verjagt, hausten zwischenzeitlich im Wald, kehrten zurück. Doch 1947 ging es endgültig nach Sachsen. In Waldheim fand die Familie Aufnahme. Im Schulungsschacht „Glück auf“ von Freiberg wurde Siegfried Hain zum Hauer ausgebildet. Als solcher arbeitete er in von den Sowjets kontrollierten Uranbergwerken der Wismut AG in Johanngeorgenstadt. Wieder war die russische Sprache nützlich für Kontakte. Als er seine Frau Annemarie kennenlernte, die aus Richzenhain in Mittelsachsen stammt, wollte er in die Waldheimer Gegend zurück. Eine Freistellung von der Wismut AG wurde möglich, da er sich für den Polizeidienst meldete. Nur erhielt er dort Verweise oder Beförderungsstopp, weil er nicht jede damals unbotmäßige Handlung gegen die Oberen des Staates gleich überbewertete. Im Waldheimer Ortsteil Gebersbach fand er in der dortigen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) „Helmut Just“ mit seiner Frau neue berufliche Aufgaben, als die Aktion lief: „Industriearbeiter aufs Land“. Viele Jahre war er nun Bauer, kümmerte sich als Bodenmeister der LPG vor allem ums Futter. Nach einem Unfall wechselte er wieder in den Polizeidienst, war aber nun als Zivilkraft eingesetzt, wurde im Strafvollzug Waldheim als Schichtmeister für die Häftlingsarbeiten im Auftrag des VEB Vogtlandstoffe Reichenbach verantwortlich, ehe er aus gesundheitlichen Gründen in Rente ging. Mit seiner bereits verstorbenen Frau freute er sich über drei Kinder (Siegfried, Monika und Steffen) sowie vier Enkelkinder. Seine Leidenschaft und Freude galt über viele Jahre der Jagd (auch hier gern mit den russischen Freunden, die ihn in mancher Angelegenheit unterstützten), als Jagdleiter betreute er den Waffenstützpunkt. Seit 1947 beschäftigt ihn bis heute die Vogelzucht (vor allem Sittiche).