MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hans-Hermann Haft
Bodenständig der Heimat treu geblieben
Rentner
Passion Fliegenfischen
Kleinlimmritz 72
04720 Döbeln
Hans-Hermann Haft kann sehr starrköpfig sein, wenn er sich ein Ziel gesetzt hat. Vor allem der Vater, ein strenger, aber gerechter Mann, hat ihn in dieser Hinsicht geprägt. Er wächst in Limmritz auf, die Mutter ist Näherin, der Vater Dreher. Später wird auch der Sohn diesen Beruf erlernen. Weil ihm als Kind die Elektriker mit ihren Steigeisen imponieren, träumt er davon, einmal „Mausbaumkletterer“ zu werden. Die Lehrausbildung an der Betriebsberufsschule in Zschopau hat Hans-Hermann Haft als eine sehr harte, aber auch vielseitige Zeit in Erinnerung. Nach der Lehre kann er drehen, scharf schleifen, schmieden und auch Automaten bedienen.
Hans-Hermann Haft lernt vorzeitig aus und geht danach nach Ludwigsfelde. Die Arbeit macht ihm sehr viel Spaß, doch mit der Berliner Mentalität kommt er nicht klar. Er kehrt in seine Heimat zurück und ist abwechselnd Revolverdreher, Einsteller und Schichtleiter. Seinen Wehrdienst leistet der junge Mann „an der grünen Grenze“ in Schwanheide bei Boizenburg ab. „Haft, machen Sie´s gut, hoffentlich sehen wir uns nie wieder“, gibt ihm sein Kompaniechef zum Abschied mit auf den Weg.
Ab 1971 arbeitet Hans-Hermann Haft sechs Jahre (Januar 1971 –Dezember 1976) bei der Hochseefischerei. Als Mitglied der Besatzung eines Loggers lernt er die Kameradschaft unter 15 Männern kennen, aber auch einen harten Knochenjob. „Wir haben solange gearbeitet, solange Fisch da war. Das konnte schon mal bis zu 30 Stunden und mehr, auf offenem Deck und bei jedem Wetter, gehen“, erinnert er sich. Devisenzahlungen, ein Grundlohn von 30 Mark pro Tag plus Fanganteil, sowie beispiellose Betreuung sollten verhindern, dass immer mehr Besatzungsmitglieder absteigen. 1976 geht auch Hans-Hermann Haft von Bord. Bis heute ist er stolz darauf, dass er nie die Möglichkeiten zur Flucht genutzt hat und seiner sächsischen Heimat stets treu geblieben ist, in der er nach wie vor sehr gerne lebt.
1974 kam Sohn Torsten zur Welt, der heute als selbstständiger Zimmereiunternehmer seinen Lebensunterhalt verdient. Der Vater arbeitet in Döbeln als Schlosser und Dreher und bis 1990 als Lehrausbilder. Er lernt die sozialen Verwerfungen des neuen Systems kennen, pocht beim Arbeitsamt energisch auf seine Rechte und kommt in verschiedenen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen unter, die er allerdings auch als sozialen Abstieg erlebt. Sein ehrenamtliches Engagement als Angeltrainer bei Lok Döbeln verschafft ihm für drei Jahre eine Stelle als Platzwart beim Verein, nachdem er zuvor (2002) in ABM-Tätigkeit das Döbelner Stadttheater von den Folgen der Flut säuberte – eine Aufgabe, die ihm privat auch für das eigene Elternhaus oblag. Hans-Hermann Haft und seine Schwester kümmern sich bis zum Schluss um die demenzkranke Mutter. Er zieht nach der Trennung von seiner Frau Margitta in sein Elternhaus zurück und genießt heute das Rentnerdasein im Garten oder beim „Fliegenfischen“.