MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Erna Haase

Rosen für ein ganzes Leben

Erna Haase

Stenosekretärin
Friedrich-von-Schiller-Str. 13
04651 Bad Lausick

Für ihr Leben wäre es wohl verdient, wenn es stets rote Rosen regnete, doch fünf Rosen sind ihr ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Die Kriegsereignisse brachten Erna Kübel, wie sie damals hieß, und deren Jugendfreund auseinander, sie verschlug es aus der einst schlesischen Heimat in die getrennten Teile Deutschlands, die Suche blieb erfolglos. So fanden beide in anderen Partnerschaften ihr Lebensglück, doch als die beiden Deutschlands 1990 wieder zusammenfanden, saß der Jugendfreund von einst plötzlich im Wohnzimmer der Familie Haase und fünf Rosen erinnerten an fünf Jahrzehnte unerfüllter Vergangenheit. Geboren wurde Frau Erna 1928 im niederschlesischen Wilhelminenort. Die Arbeit der Eltern war von der Landwirtschaft geprägt, vier Geschwister und zwei Halbgeschwister gehörten zur Familie, doch zwei Brüder fielen bereits im Krieg. Nach achtjährigem Schulbesuch, zuletzt musste die junge Erna wegen Lehrermangels den Deutschunterricht der jüngeren Klassen betreuen, absolvierte sie die Landwirtschaftsschule. Doch ging es im Januar 1945 auf die Flucht vor der nahenden Front, die ins Sächsische, nach Frankenstein bei Oederan führte. Arbeit fand sie endlich als Hauswirtschafterin in einem Eisenwarenladen in Groitzsch. Bei einem Feuerwehrfest in diesem Ort im Landkreis Leipzig hatte sie ihren Mann Günther kennengelernt und 1952 in Tharandt geheiratet, wo dieser die Justizschule besuchte. Mit dem Umzug zu ihm nach Bad Lausick, wo er, später zum Justizrat ernannt, das Staatliche Notariat verantwortete, begann ein neuer Abschnitt. Als 1955 die erste Tochter Sabine geboren wurde, blieb sie drei Jahre zu Hause, dann kümmerte sie sich als Kalfaktorin um die Arbeiter des Tagebaus im Braunkohlenkombinat Espenhain. 1963 fiel ihr Engagement für die Kollegen auf, so dass man sie in die Betriebsgewerkschaftsleitung berief. Sie schloss noch eine Facharbeiterausbildung als Stenosekretärin ab. Nur kurz unterbrochen von der Geburt der zweiten Tochter Steffi 1967, blieb sie dort fünfundzwanzig Jahre, bis sie 1988 nach insgesamt dreißigjähriger Betriebszugehörigkeit in Rente gehen sollte. Dann kümmerte sie sich bis zu deren Tod 1989 um die schwerkranke zweite Tochter. Von ihrem Mann Günther musste sich Erna Haase kurz nach der Feier der „Eisernen Hochzeit“ im Jahr 2017 für immer verabschieden. Die Familie der ersten Tochter, zu der zwei Enkelkinder gehören, ist für sie da. Über den gepflegten Kontakt zum ehemaligen Jugendfreund und dessen Familie fand sie Verbindung zu einem Kreis weiterer Menschen, denen Wilhelminenort Heimat gewesen war. Ehrenamtlich war sie einst für mehrere Jahre als Schöffin am Kreisgericht von Borna eingesetzt, eine Aufgabe, der sie mit Erfahrung und Menschenkenntnis nachkam.
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