MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ruth und Manfred Haase
Spät (und heimlich) gefreit – nie bereut
Industriekauffrau
Meister für Galvanotechnik
Brunnenstr. 7
04749 Ostrau OT Rittmitz
Nur wenige waren eingeweiht, als 1971 Ruth und Manfred Haase den Bund fürs Leben schlossen, auch nicht die Doppelkopfrunde der Freunde, mit der Manfred Haase sich seit fünfzig Jahren und bis heute einmal wöchentlich trifft. Im mittelsächsischen Rittmitz, wo er 1936 geboren wurde, wuchs Manfred Haase mit einer jüngeren Schwester auf. Da der Vater aus dem Kriegsgeschehen nicht zurückkam, war es die Mutter mit ihrem kleinen Kolonialwarenladen, die das Leben der Familie prägte. Die Schule besuchte der junge Manfred in Rittmitz und später in Noschkowitz, schloss 1950 mit der 8. Klasse ab. Seine dreijährige Lehre als Galvaniseur absolvierte er bei der Firma von Arnd Gennrich in Döbeln. Die Berufsschule besuchte er dazu in Döbeln und Dresden. In der Oberflächenveredlung des Werks verbrachte er dann sein ganzes Leben mit Verchromen, Vernickeln, Vermessingen. Auch als die private Firma erst halbstaatlich, dann 1972 verstaatlicht (der frühere Inhaber war nun Leiter eines Volkseigenen Betriebes) wurde, blieben seine Aufgaben. Doch mit dem Ende der DDR wurde das Werk, nunmehr vom Schwiegersohn des einstigen Besitzers geführt, als Metallveredlung Döbeln GmbH wieder seinen bewährten Aufgaben in der galvanischen Beschichtung gerecht. Zwar hatte Manfred Haase 1958 ein Studium an der Ingenieurschule angefangen, doch seine Lunge forderte ein Jahr Auszeit. 1967 konnte er dann die Meisterprüfung bestehen. Bis zum Renteneintritt 1999 blieb er danach anerkannter Fachmann in seiner Firma. Als Ruth Leier war sie 1937 im schlesischen Tuntschendorf (Landkreis Glatz) geboren worden. „Im schönsten Wiesengrunde“ wuchs sie auf, denn der Vater war Besitzer und Betreiber einer dortigen Mühle. Zwei jüngere Schwestern begleiteten Ruth durch Kinder- und Jugendjahre, doch die Auswirkungen des Krieges gerieten hart für die Familie. Das Anwesen wurde nach Kriegsende von Polen besetzt. Im August 1946 hatten sie diese Gegend ganz zu verlassen, gelangten ins Mittelsächsische. In Kattnitz (Nachbardorf von Rittmitz) kamen sie notdürftig bei einem Bauern unter. Nach Abschluss derselben Schule wie ihr späterer Ehemann wurde sie im Werk auf dem Kalkberg von Rittmitz als Industriekaufmann ausgebildet. Doch verschwand sie dann erst einmal für zwölf Jahre aus der Gegend, begann im Kraftwerk Lübbenau. Hier wurde sie als Finanzbuchhalterin eingesetzt und entwickelte sich zur stellvertretenden Abteilungsleiterin für die gesamte Finanzrechnung. Mit der Heirat ging es zurück nach Döbeln, wo sie erst im Baugeschäft Eulitz neue Aufgaben fand, dann bei der Einkaufs- und Liefergenossenschaft (ELG) Metall sich mit einem Lehrgang zur Leitenden Buchhalterin qualifizierte. Später folgten Stationen in einer Steuerkanzlei und im Lohnbüro einer Döbelner Baugesellschaft.