MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dagmar Götze
„Zu leben heißt zu kämpfen.“ (Lucius Annaeus Seneca)
Peterholzstr. 48
06849 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 8501663
Als Tochter einer Sekretärin und eines Dispatchers 1950 geboren, erinnert sich Dagmar Götze heute, schon immer ein großes Bedürfnis nach Freiheit, Unabhängigkeit und Erlebnissen in sich gespürt zu haben. Insofern war es nicht die Einflussnahme von Eltern oder Schule, die den Berufswunsch in ihr reifen ließen, sondern der Gedanke daran, wie sie sich am besten diese Ziele verwirklichen könnte. Sie beschloss dem Abschluss der 10. Klasse eine Lehre bei der Deutschen Reichsbahn folgen zu lassen, entschied sich dabei für den Bereich Fahrdienst. Als Zugschaffner begleitete Sie die Reisenden, kontrollierte die Fahrkarten und entwertete sie – wie damals noch üblich – mit einer Lochzange. Angestachelt von ihrem Ehrgeiz, arbeitete sie von nun an stetig an der eigenen Entwicklung. Nach zwei Jahren war sie bereits Zugführerin (mit 21 Jahren) und zusätzlich mit vielen administrativen Aufgaben für die Lokführer betraut. 1969 heiratete sie, die Töchter Sabine (1970) und Christine (1973) wurden geboren. Zu Gunsten ihrer kleinen Familie entschied sie sich für eine Bürotätigkeit, ließ sich zur Fahrmeisterin ausbilden. Lohnrechnung, Dienstplanerstellung und vieles mehr gehörten nun zu ihren Aufgaben. Den Dienstrang Hauptassistent innehabend, gab es nie eine Zeit, die nicht durch Weiterbildungen und Lehrgänge geprägt gewesen wäre. Ganz besonders galt dies natürlich für die Zeit nach der politischen Wende in der DDR. Aber nicht das war es was sie an dem Umbruch störte, sondern die Begleitumstände an sich. Täglich kamen Anrufe mit Forderungen Leute zu beobachten, sie abzuziehen – gepaart mit dem Versuch der Manipulation und Ausübung von Druck zur Durchsetzung dieser Anliegen. Doch Dagmar Götze vertrat ihrer eigenen Standpunkt, ließ sich nicht zum Werkzeug degradieren, nahm selbst eigenen Ärger dafür in Kauf. Die beruflichen und familiären Herausforderungen (die Ehe dauerte nur kurze Zeit, sie war lange Zeit alleinerziehende Mutter) forderten ihren Tribut, der zum Ausscheiden aus dem aktiven Dienst führte. Im Jahr 2000 führte ein schwerer Herzinfarkt sie direkt in die EU-Rente. „Ich bin ein Kämpfer, ich lass mich nicht unterkriegen“, sagt sie heute und begründet damit die Dinge zu tun, die sie gerne tun möchte und sich der Krankheit nicht völlig zu ergeben. Ihr Garten ist ihr Ein und Alles und mit gesundem Verhältnis von Arbeit und Pausen, hofft sie ihn noch lange behalten zu können. Als Kassiererin bei der Volkssolidarität ist sie noch gesellschaftlich aktiv und ist zufrieden mit ihrem Laben wie es ist. Spontan, zuverlässig und mit Durchsetzungskraft meistert sie ihr Leben, pflegt die Freundschaften zu ihren beiden Freundinnen aus dem Bahnkollegium. „Die Welt ist kalt geworden, die Menschlichkeit geht verloren“, beschreibt sie die Zeit nach der Wende. Wirtschaftlich gehe es ihr jedoch besser, wenngleich durch den zeitigen Renteneintritt ein zusätzlicher Lottogewinn durchaus eine gute Ergänzung wäre, resümiert sie. Kommt der nicht, hält sie es wie jeher in ihrem Leben: Sie kämpft sich durch!