MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Werner Haase
Der Herbst des Lebens
Tischler / Verkaufsstellenleiter i. R.
Verkäuferin i. R.
Zum Viehgraben 12
04769 Mügeln
Fon: 034362 / 30523
Erst im Herbst des Lebens gelang es Erna und Werner Haase durchzuatmen und dem Leben auch die schönen Seiten abzugewinnen. Beispielsweise bekam Werner Haase während seines Reichsarbeitsdienstes nur 25 Pfennig am Tag. Seine Erna verdiente in Anstellung 12 Mark im Monat. Es waren schwere Zeiten, doch diese Ära prägte beide Persönlichkeiten, erzog zu Sparsamkeit und auch ein wenig zu Demut.
Geboren wurde Werner Haase am 28.08.1924 in Gröppendorf, wo er bis zu seinem siebten Lebensjahr aufwuchs. Anschließend zog die Familie nach Crellenhain.. Werner Haase besuchte die Volksschule Altmügeln und sein Wunsch, Tischler zu werden, erfüllte sich. Am 7. März 1942 sollte die Abnahme seines Gesellenstückes – eines Schreibtisches – erfolgen, doch einen Tag zuvor wurde er zum Arbeitsdienst eingezogen. Dennoch durfte er die Prüfungsfragen extern beantworten und erhielt seinen Gesellenabschluss.
Folgen sollte sein Reichsarbeitsdienst. Zurückgekehrt zu seinem alten Meister, erhielt Werner Haase nur wenige Tage später den Einberufungsbefehl nach Zühlsdorf, wurde dann nach Doberschütz zur Ausbildung mit militärischer Auslegung verlegt. Seine „Waffe“ war der Spaten, erzählt er heute und davon, dass das Lager in dem die Eingezogenen lebten bewacht werden musste und er zu den Ausgewählten gehörte, die dabei eingesetzt wurden. Mit dem Wechsel des Vorgesetzten kam es zu Schikanen des neuen Zugführers des 3. Zuges ihm gegenüber. Über den Fliegerhorst Oschatz gelangte er zur Luftwaffe, erhielt eine Grund-Flugzeugmechanikerausbildung in Schlesien. Die 50 Mann des Ausbildungszuges mussten eine Abschlussprüfung ablegen. Wer nicht bestand wurde zur Luftwaffeninfanterie an die Ostfront abkommandiert, die anderen blieben auf den Fliegerhorst oder gingen nach Frankreich. Zu ihnen gehörte Werner Haase. Lepusche bei Paris, Toulouse (Frankreich), Leeuwarden (Holland), Florennes (Belgien) und wieder Frankreich waren folgend seine Stationen. Hier erfuhr er erstmals von der Existent der KZs, erlebte hundert Häftlinge Blindgänger ausgrabend und Bombentrichter zuschüttend, denn jeden Tag gab es Tiefflieger-, jede Woche Bombenangriffe. Versetzt an die Ostfront nach Polen, wurde er verwundet und lag im Lazarett, als ihn die ersten Berichte vom Ende des Krieges und der möglichen Heimkehr nach Hause erreichten. Wer laufen kann sollte sich zu Fuß auf den Weg machen, so auch Werner Haase. Ein Tag lief er, geriet dann in amerikanische, später in russische Gefangenschaft. Tagelange Märsche mit dem Versprechen auf Freilassung und dem Erahnen der Verlegung in Gefangenenlager sind ihm in Erinnerung geblieben. Auch, dass die Straßengräben angefüllt waren mit Hinterlassenschaften zuvor Vorbeiziehender und es ihm ermöglichten Zeltbahnen und anderes Brauchbares mitzunehmen, was ihm später in den Lagern das Leben unter freiem Himmel geringfügig erleichtern sollte. Maiskörner und ein wenig Steinsalz waren begründeten die ersten Mahlzeiten, später gab es Brot. Werner Haase hat überlebt. Erst an Hitlers Geburtstag des Jahres 1949 erhielt er seine Entlassungspapiere. Arbeit gab es kaum. Schließlich fand er Beschäftigung im Forst, kurzzeitig bei einem Tischler und danach in der Wagenfabrik Oschatz, wo er zum Schichtleiter aufstieg und 10 Jahre verbrachte. Für eine weitere Dekade übernahm Werner Haase den Möbelverkauf im Konsum und avancierte nach dessen Schließung zum Verkaufsstellenleiter eines Geschäftes für Fahrzeugteilevertrieb. Nach der Arbeit ging es auf der eigenen Ostplantage weiter. Bei Wind und Wetter wurde gerackert. Doch die Mehrarbeit lohnte sich. Geringer Wohlstand konnte damit erarbeitet werden, der es sogar ermöglichte im „Delikat“, dem DDR-Gourmet-Laden mit sonst unerreichbaren Waren, einkaufen zu können und einen Trabant anzuschaffen. Lange gehört dies der Vergangenheit an. Heute gebührt größte Aufmerksamkeit Tochter Inge, Enkelsohn wie Enkeltochter, sechs Urenkeln und wenn sich zu Feierlichkeiten alle versammeln, ist im Herbst des Lebens, wie Werner Haase erzählt: „… wieder so richtig Leben in der Bude.“