MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Joachim Haase
Wie Mann Pädagogik und Technik unter einen Hut bekommt
Dipl.-Pädagoge i. R.
Niemegker Straße 1E
06749 Bitterfeld
Fon: 03493 / 23354
Verdienstmedaille der DDR, Pestalozzimedaille in Gold und andere Orden der DDR
Vorsitzender des Kreisausschusses für Jugendweihe, Mitglied des Kreisausschusses für Berufsbildung, Vorsitzender der URANIA und Mitglied der Kammer der Technik im Fotochemischen Kombinat Wolfen und andere Funktionen
Joachim Haase, geboren 1920 in Eisleben / Lutherstadt, braucht keinen Fragesteller. Wenn er ohne Pause, klar und deutlich aus seinem Leben erzählt, lässt er keine Fragen offen.
Joachim Haase stammt aus einer Lehrerfamilie. Der Vater war Schuldirektor. Diese Tradition wollte der Sohn nicht fortsetzen. Ingenieur war sein Berufswunsch. Deshalb absolvierte er ein Praktikumsjahr für technische Berufe. Zwei Semester studierte er an der Ingenieurschule in Halle/Saale und musste dann für „Volk und Vaterland“ in den Krieg ziehen. Joachim Haase überlebte und geriet in amerikanische Gefangenschaft. „Um entlassen zu werden, brauchte man Familienangehörige im Westen. Eine Frau aus der Nähe von Braunschweig erklärte sich bereit, meine ‚Tante’ zu spielen“, lächelt Joachim Haase, der danach zu den Eltern zurückkehrte.
Im heimatlichen Kalischacht arbeitete er als Schlosser unter Tage. Der Vater meldete ihn aufgrund einer Zeitungsanzeige als Neulehrer an. Da Joachim Haase auch mit Technik zu tun haben wollte, absolvierte er 1946 in Dresden einen Lehrgang zum Berufsschullehrer, wurde dann nach Bitterfeld vermittelt. „Täglich musste ich Schüler in anderen Orten unterrichten. Die Busse waren für die Arbeiter gedacht. Mit Mühe und Not wurde ich mitgenommen, kam aber oft zu spät. Die Schüler frühstückten inzwischen in der Gaststätte oder spielten Fußball“, berichtet Joachim Haase. 1951 hielt er Unterricht in der Berufsschule der Filmfabrik Agfa in Wolfen. Aufgrund seiner Erfahrungen und Erfolge wurde er vom Staatssekretariat für Berufsbildung aufgefordert an der Gestaltung und Ausarbeitung von Richtlinien und Gesetzesentwürfen zur Entwicklung der Berufsausbildung in verschiedenen Kommissionen mitzuwirken.
In einem kombinierten Studium an der Humboldt-Universität in Berlin qualifizierte er sich zum Diplom-Pädagogen. 1959 wurde Joachim Haase Direktor der Betriebsberufsschule in Wolfen und 1963 Studienrat. Mit den ständig wachsenden Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung der Belegschaften in den großen Kombinaten wurde Joachim Haase mit der Leitung des gesamten Bildungswesens im Fotochemischen Kombinat „ORWO“ Wolfen beauftragt und damit als Stellvertreter des Direktors für Kader und Bildung eingesetzt. Später war er in der Wolfener Filmfabrik ORWO stellvertretender. 1985 ging er in Rente. Er liest Biografien und kann besser Auto fahren als laufen. Ehefrau Ilse, eine Deutschlehrerin, verstarb 2008. Halt geben ihm Tochter Anne-Kirsten, die Söhne Wolfgang, Gerhard und Bernd-Uwe sowie 13 Enkel und 11 Urenkel. Noch einen Sommer möchte Joachim Haase im Bungalow am See verbringen.