MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Sabine Hackbarth
Der Kieztreff mit Frisör
Frisörmeisterin
Pankstraße 62 13357 Berlin-Wedding Fon 030 / 49768343
Alles begann damit, dass Sabine Hackbarth irgendwann keine Lust mehr auf die Schule hatte und nach einer Lehrstelle Ausschau halten musste. Da erwies es sich als günstig, dass sich im Nebenhaus ein Frisörgeschäft befand. Die junge Frau griff zu und begann 1977 eine Ausbildung zur Frisöse. Aus der eher aus einer Laune heraus getroffenen Entscheidung entwickelte sich in kürzester Zeit eine regelrechte Leidenschaft.
Da war einerseits die Entdeckung ihrer eigenen Kreativität. Bis heute „tobt sie sich gern künstlerisch aus“, wie sie mit einem Lächeln bemerkt. Am liebsten ist es ihr, wenn ihr die Kunden bei der Auswahl des Haarschnitts weitestgehend freie Hand lassen und sie ihre eigenen Vorstellungen umsetzen kann.
Dazu kam von Anfang an eine sehr persönliche Atmosphäre. Jeder Kunde wird von Sabine Hackbarth persönlich angespro-chen und sogar in den Arm genommen, so dass sich die Men-schen bei ihr auch wirklich willkommen geheißen fühlen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich ihr Frisörsalon zu einem be-liebten Kieztreff, wo man einfach auch nur auf eine Zigarette und einen gemütlichen Plausch vorbei kommt.
Der Mauerfall war für die bekennende Weddingerin „einfach nur Wahnsinn“, um es mit einem damaligen geflügelten Wort auszudrücken. Zunächst glaubte sie nicht recht daran, da sie am Abend der Maueröffnung todmüde zu Bett gegangen war. Am nächsten Morgen wunderte sie sich über die vielen Menschen mit östlichem Outfit in ihrem Kiez und erfuhr so, was sich am vergangenen Abend abgespielt hatte. Am Sylvesterabend des Jahres 1989 saßen dann bei ihr zu Hause vier Menschen vor dem Fernseher und weinten vor Rührung über die Bilder von der Party vor dem Brandenburger Tor.
Die Entwicklung ihres Kiezes verfolgt Sabine Hackbarth seit-dem mit eher gemischten Gefühlen. Sie wünscht sich nicht nur den autofreien Sonntag aus den siebziger Jahren zurück, vor allem der soziale Abbau und dessen gerade im Wedding deut-lich sichtbaren Folgen erfüllen sie mit Sorge. Doch trotzdem hängt die „hundertprozentige Weddinger Göre“ nach wie vor an ihrem Kiez, in dem sie seit Jahrzehnten lebt und arbeitet.
Sabine Hackbarth freut sich am Ende eines harten und oftmals sehr langen Arbeitstages immer wieder darauf, wenn sie die Wohnungstür hinter sich schließen und alles draußen lassen kann. Dann kommen ihre beiden Katzen, die zwei Hasen und der Hund zur ihr, um zu schmusen und sich verwöhnen zu lassen.