MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Karla und Horst Güttich
„Die Liebe trägt die Seele, wie die Füße den Leib tragen.“ (Katharina von Siena)
Einzelhandelskaufmann
Facharbeiter für Be- und Verarbeitung pflanzlicher Produkte, Meister für Lagerwirtschaft
Hauptstr. 33 f
04668 Großbothen
Als eins von sieben Kinder kam Horst Güttich 1954 in Großbothen zur Welt. Das Jahr seiner Schuleinführung (1961) war auch das in dem sein Vater sich mit Keramikmosaik Großbothen selbstständig machte und die Mutter als mithelfende Ehefrau beschäftigte. Bei dieser Konstellation und der großen Kinderschar ist gut nachvollziehbar, was Horst Güttich über seine Kindheit erzählt: Große Forderungen an eine zeitige Selbstständigkeit, eigene Organisation der Kinder mit Nachbarskindern und viel Spielzeit im Freien. 1971 beendete der junge Horst die Schule und gerne hätte der musikalische Junge und Akkordeon-Solist einen Beruf in dieser Richtung ergriffen. Doch ein Besuch der Musikschule blieb ihm verwehrt. So lernte er etwas völlig anderes, wurde Facharbeiter für Be- und Verarbeitung pflanzlicher Produkte. Ein Getreidespeicher in Colditz wurde seine erste Arbeitsstelle, später wechselte er nach Trebsen. Hier erhielt er die Möglichkeit zur Qualifizierung die er erfolgreich absolvierte und 1982 als Meister für Lagerwirtschaft abschloss. Bis 1990 so tätig, wandelte sich in der Zeit der politischen Wende in der DDR auch sein persönliches und berufliches Leben. Während einer Kur hatte er die Berlinerin Karla kennengelernt und fand so nach seiner Scheidung 1986 neues Glück. Er wollte mit ihr zusammenleben, zog zu ihr nach Berlin. Die Grenzen waren noch nicht offen, die Ausreise aus der DDR noch schwierig. Über das Auffanglager Mariendorf erfolgte Aufteilung auf die alten Bundesländer. Die junge Lebensgemeinschaft gelangte so nach Bayern. Horst Güttich arbeitete zwei Jahre bei einer Zeitarbeitsfirma. Doch mit dem Fortschreiten der politischen Ereignisse und der Möglichkeit wieder in seine Heimat zurückzukehren und das 1982 errichtete Eigenheim zu bewohnen, strebte er das an. 1992 erfolgte die Rückkehr – für Karla vorerst nach Berlin, für ihn nach Großbothen. Als Möbeltransportfahrer arbeitete er Deutschlandweit und körperlich schwer, wechselte dann als Kraftfahrer zu einer Kanalreinigungsfirma und wurde danach als Isolierer auf Montage tätig. Nach einem Beinbruch musste er das Haus hüten und hatte 2004 das Glück durch Vermittlung als Fahrer für einen Bäckermeister arbeiten zu können und damit nicht mehr ständig auswärts sein zu müssen. 2002 heirateten Karla und Horst Güttich. Seit 2018 Rentner, freut es ihn, auch heute noch gebraucht zu werden und drei Tagen wöchentlich wieder beim Bäcker tätig sein zu können. Ehefrau Karla, 1946 geboren, hatte keine schöne Kindheit. Sie erlebte den Tod der Schwester, dann der Mutter und eine Stiefmutter mit eigenen Kindern, die an das Märchen „Aschenputtel“ erinnerte. Zeitig entfloh sie deshalb dem Elternhaus. Sie wohnte bei der Tante, lernte nach der Schulzeit den Beruf Verkäuferin und arbeitete im Handel bis sie 1983 die Chance erhielt eine Sauna als Leiterin zu übernehmen. 1990 ging sie mit Horst Güttich nach Bayern (Arbeit als Montiererin), arbeitete nach ihrer Rückkehr in Berlin in einer Diskothek. 1999 gelang es ihr in einem Solarium in Grimma eine Stelle zu bekommen und sie konnte somit ihren Wohnsitz nach Großbothen verlegen. Als das Solarium den Betrieb einstellte gelang ihr die Arbeitsaufnahme in der gegenüberliegenden Spielothek. Die rührige Frau war somit bis zum Renteneintritt 2014 nie arbeitslos – Dank ihrer immer währenden Eigeninitiative. Dass Fleiß und Optimismus Charaktereigenschaften der Güttichs sind, erschließt sich aus dem Vorstehenden. Ihren Stolz auf das Geschaffene und Geschaffte lässt sich gut nachvollziehen. Das Glück der zur Patchwork-Familie gehörenden vier Kinder, sieben Enkelkinder und des Urenkelchens liegt beiden besonders am Herzen. Sie lieben Harmonie in der Familie wie auch im täglichen Leben. Man hört es an ihren Erzählungen und sieht es in ihrem liebevoll dekorierten Haus.