MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ingrid Gärtner
Immer das Positive sehen
Industriekauffrau
Roter Graben 35
08396 Waldenburg
Ingrid Gärtner, geb. Bohlmann, kam am 22.03.1939 im mecklenburgischen Malchow zur Welt und verlebte Kindheit und Jugend zusammen mit einer jüngeren Schwester in ihrer Heimatstadt. Der Vater arbeitete als Autoschlosser, die Mutter war Hausfrau. Von 1946–1953 besuchte sie die Schule. „Ich wurde erst ein Jahr später eingeschult, da das Schulgebäude 1945 noch als Lazarett zur Verfügung stehen musste“, berichtet Ingrid. „Ich habe dann zwei Klassen in einem Schuljahr absolviert, um die verlorene Zeit aufzuholen.“ Ihr angestrebter Berufswunsch im kaufmännischen Bereich oder als Büroangestellte ließ sich damals leider nicht realisieren. Ingrid bekam eine Lehre als Forstfacharbeiterin, die sie aber aus gesundheitlichen Gründen nur für ein Jahr aufrecht erhalten konnte. Im Anschluss arbeitete sie zuerst wochenweise auf einem Gut, danach ungelernt in der Buchhaltung der MTS und qualifizierte sich zur Brigaderechnerin. Bei einem Lehrgang lernte sie 1958 ihren Mann Heinz Gärtner, einen gelernten Kaufmann, kennen, den sie 1960 heiratete. 1959 war sie bereits zu ihm und seiner Familie nach Grimma gezogen und arbeitete wieder als Buchhalterin in der MTS. Eine erste eigene kleine Wohnung bezog das junge Paar 1962 im Haus der Schwiegereltern in Waldenburg. Mit Anke (*1965, Textilnäherin) haben Ingrid und Heinz Gärtner, der bereits 2005 verstarb, eine Tochter und mittlerweile einen Enkel und eine Urenkelin. Ingrid fand in der Weberei VEB Textilwerke Palla eine Anstellung und machte über die Erwachsenenqualifizierung ihren Berufsabschluss als Industriekauffrau. Nach Geburt und neunmonatiger Erziehungszeit war Ingrid Gärtner bis 1991 wieder in der Verwaltung der Weberei tätig, die vorrangig Kleiderstoffe und Regenschirmseide produzierte. „Das war eine sehr schöne Zeit. Wir sind sehr gern auf Arbeit gegangen und hatten ein gutes Betriebsklima. Mit einigen Kolleginnen habe ich bis heute Kontakt. Wir haben sogar einmal im Kollektiv einen Trabant gewonnen“, schmunzelt sie. Nach der Wende wurde das Kombinat mit 4000 Mitarbeitern abgewickelt. Von 1991–1999 war Ingrid Gärtner arbeitslos und ging anschließend in Rente. „Ich bin ein positiv eingestellter Mensch und traue niemandem etwas schlechtes zu“, charakterisiert sich die rüstige Pensionärin selbst. Sie ist stolz auf ihre Familie und freut sich immer auf gegenseitige Besuche. Ihre Lieblingsbeschäftigungen sind das Lesen historischer Romane, das Lösen von Rätseln und das Treffen im wöchentlichen Freundeskreis. „Das ist schon richtig Tradition geworden“, erzählt Ingrid Gärtner. 1994–2014 engagierte sie sich im „Verein über 50“, einer gemeinnützigen Organisation. Für die Zukunft wünscht sie sich ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben bei stabiler Gesundheit und im Kreise ihrer Lieben.