MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Lothar Güther
„Es gibt tausend Krankheiten, aber nur eine Gesundheit.“ (Ludwig Börne)
07548 Gera
In Ronneburg 1951 geboren, verlebte Lothar Güther die ersten Jahre seiner Kindheit bis 1957 in Raitzhain, denn hier betrieben die Großeltern eine Landwirtschaft und seine Mutter war eine helfende Hand, nachdem sie selbst eine landwirtschaftliche Ausbildung durchlaufen hatte. Mit Umzug der Familie nach Gera blieb sie bis zur Einschulung des Sohnes zu Hause um ihn zu betreuen während der Vater als Werkzeugmacher (später Qualifizierung zum Konstrukteur) für den Familienunterhalt sorgte. Lothar Güther konnte eine damals besondere Form der Ausbildung durchlaufen, erwarb den Abschluss der 10. Klasse und gleichzeitig den Facharbeiterbrief als Maschinenbauer. Mit ein paar Freunden zusammen entschloss er sich unmittelbar das Abitur anzustreben, nutzte dafür die Volkshochschule. Ein Jahr arbeitete er im erlernten Beruf bevor er ein Studium an der Universität Jena aufnahm. Die erste Wahl fiel auf Mathematik, doch nach einem Jahr wechselte er in das Fach Betriebswirtschaft und schloss als Dipl.-Ing.-Ökonom das Studium ab. In der HA Planung der Keramischen Werke Hermsdorf wurde er tätig und auch hier musste die Abrechnung bis in die dritte Kommastelle stimmen. So zeigte sich die enge Verbundenheit von Mathematik und Ökonomie in der Praxis. Richtig zufrieden war er mit der Arbeit nicht, denn als „Springer“ eingesetzt, gab es kein kontinuierliches Arbeiten. Er wechselte den Betrieb, kam aber „vom Regen in die Traufe“, erzählt er heute. Die Rückkehr in die Keramischen Werke – nun in den Bereich Ökonomie der Forschungsabteilung des Direktionsbereiches Oxidkeramik – brachte mehr Erfüllung. Leider erkrankte er Mitte der achtziger Jahre schwer. Eine Krankschreibung folgte der anderen, stationäre Aufenthalte waren notwendig und letztendlich wurde er für erwerbsunfähig befunden, ist seit Juni 1989 berentet. „Gott sei Dank, vor der Wende“, sagt er, denn durch seine FZR (Freiwillige Zusatzrentenversicherung der DDR) ist die Rentenberechnung besser ausgefallen als das heute nach BRD-Rentenrecht der Fall wäre. Gemeinsam mit seinen Eltern entschied er sich nach der Wende das bewohnte Haus zu kaufen, was ihm heute ein Wohnen ohne Mietausgaben ermöglicht. In seinen schwersten Krankheitsphasen hat er kaum am gesellschaftlichen Leben teilgenommen. Heute ist das anders: Er ist am Tagesgeschehen interessiert, liest aber nicht nur die Zeitung, sondern auch viel medizinische Literatur – Interesse das ausgelöst ist durch den Willen die eigene Krankheit besser zu verstehen, mit ihr umgehen zu können. Zusätzlich nutzt er Treffen von Frühstücks- und Aktivierungsgruppe für die Eigenmotivation, liebt die gemeinsamen Unternehmungen in diesem Rahmen, hört viel Radio und unternimmt auch viele Ausflüge in die Stadt. So pflegt er Kontakte zu anderen, denn eine eigene Familie hat er nie gegründet und das Reisen – früher mit Jugendtourist der DDR, später Kaffeefahrten – musste er wegen eingeschränkter Beweglichkeit aufgeben. Um sich sein Leben weiter gestalten zu können ist sein größter Wunsch: Gesundheit!