MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Edith Göring

Die „Eisfrau“ von Gotha

Edith Göring

Eisdielenbesitzerin
99867 Gotha

„Solange ich lebe, möchte ich mir stets selbst helfen können“, meint Edith Göring, die „Eisfrau von Gotha“. Der Lehrmeister für diese Einstellung ist ihr Leben. Sie wird 1931 in Mühlhausen geboren und erlebt, wie der Schulunterricht immer wieder durch Fliegeralarme unterbrochen wird. Edith Göring schließt 1947 die Schule mit der zehnten Klasse ab und erlernt bei der örtlichen Polizeidirektion den Beruf einer Verwaltungsangestellten. Sie wird Polizeiwachtmeisterin auf dem Volkspolizeikreisamt. Als hier einige Jahre später Uniformen eingeführt werden, verliert sie die Lust an dieser Arbeit und nutzt 1950 ihre Delegierung zum Deutschlandtreffen in Berlin, um zu ihrem Cousin in den Westteil und später nach Westdeutschland zu gehen. Doch Edith Göring wird hier nicht heimisch. Sie kehrt im Oktober 1950 in ihre Heimatstadt zurück, wird von der Stasi verhaftet, in Weimar von einer sowjetischen Beamtin intensiv verhört und nach sechs Tagen wieder freigelassen. Als Edith Göring 1952 ihren Mann Herbert heiratet werden die Weichen ihres Lebens in jeder Hinsicht neu gestellt. Im Jahr 1953 kommt die Tochter Sybille, zwei Jahre später der Sohn Leander zur Welt, die heute beide im Haus selben wie ihre Mutter wohnen. Außerdem entstammt der Mann einer Familie, in der seit dem Ende des Ersten Weltkrieges die Herstellung von Eis zur Tradition gehört. Seine erste Eisbude erbaut das frisch vermählte Paar an einer Ecke, die in der Nähe von drei Schulen und einem Kino liegt. Diese wird später abgerissen und durch eine feste Eisdiele und neue Maschinen für die Eisherstellung ersetzt. Im Jahr 1963 erwerben die Görings ihr Haus und erhalten nach jahrelangem Kampf den eigenen Anschluss für ein Telefon. In dieser Zeit entwickelt Edith Göring einen sehr kritischen Blick auf die DDR. „Die Materialversorgung war stets ein Problem, wir haben uns mit Tauschgeschäften beholfen. Gerade im Sommer, wenn die Leute Schlange standen, mussten wir oft das Schild – Wegen Waffelmangels geschlossen – aushängen“, erzählt die Geschäftsfrau nicht ohne Bitterkeit. Dazu kommen Schikanen von Seiten der Finanzbehörden. „Private Initiative war eben einfach nicht erwünscht, sie passte nicht in deren Weltbild“, meint Edith Göring. Am 30. April 1987 gehen die Görings in die Rente. Die Nachfolger bringen nicht deren Elan und Leistungsbereitschaft auf, die Kunden bleiben weg, nach der Wende wird der einstige Kundenmagnet endgültig verkauft. Im Jahr 1991 verstirbt der Mann Herbert. Ihre Urlaube haben Edith und Herbert Göring auf dem Zeltplatz verbracht, nach 1963 erwerben sie von einer Berliner Eigentümerin ein Grundstück in Plau. Dies ist für Edith Göring bis heute eine sehr schöne Erinnerung an ihren Mann. Sie ist sehr stolz auf ihre Familie, zu der inzwischen zwei Enkeltöchter und drei Urenkel gehören und löst sehr gern Kreuzworträtsel.
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