MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Monika Göhe
„Das ist meine Familie“
Ringstr. 10
06905 Bad Schmiedeberg OT Söllichau
Fon: 034234 / 21125
Spricht man mit der 1958 geborenen Monika Göhe, merkt man schnell, dass ihr beruflicher Werdegang eigentlich nicht ihr Leben ausmacht, sondern ihre Liebe zu den Menschen, ihr Verantwortungsgefühl für Kinder. 1958 geboren, besuchte sie 1964–1972 die Schule, wollte eigentlich Schneiderin werden. Doch es gab zu wenig Lehrstellen und keine Beziehungen um eine dieser begrenzt vorhandenen zu erhalten. So lernte sie im Hotel „Astoria“ in Leipzig drei Jahre lang Köchin, wechselt in die Messegaststätte „Rotes Haus“ und nach vier Jahren in die Militärhandelsorganisation (MHO) als stellvertretende Küchenleiterin eine Gaststätte der Nationale Volksarmee (NVA). Bis 1988 blieb sie so tätig, wurde dann Küchenleiterin in der Küche einer Kindereinrichtung. Die Wendejahre wurden zu unsteten Jahren. Nach Schließung der Kindereinrichtung arbeitet sie im Bergbau als Hilfsmaschinist, später als Versicherungsvertreter, war arbeitslos und musste sich einer Umschulung des Arbeitsamtes zum KOCH (!) unterziehen. Hier galt wohl nicht „gelernt ist gelernt“, sondern die Regel, Hauptsache untergebracht. Im Ergebnis weiterhin arbeitslos, erhielt sie eine weitere Umschulung zur Altenpflegerin, war 1 €-Jobber. Seit 2010 ist sie als Sozialassistentin im Kindergarten eingesetzt. Auch Ehemann Uwe wurde als Bergmann mit der Wende von Arbeitslosigkeit betroffen. Seine Arbeitssuche führte ihn von der Familie weg und für Monika Göhe und ihre Kinder zum Leben in Wochenendfamilie. Als die Kinder älter wurden und das soziale Engagement für sozial schwache Rentner (seit 1993) ihr nicht mehr ausreichte, um die Lücke zu schließen, stieß sie zufällig auf eine Anzeige des Jugendamtes, mit der Pflegeeltern gesucht wurden. 1 ½ Jahre dauerte es, bis ihr Antrag auf die Zuweisung eines Kindes genehmigt wurde. Vom polizeilichen Führungszeugnis bis hin zur Leumundprüfung erstreckte das Prozedere. Dann erfolgte die Frage, ob es auch denkbar wäre für ein psychisch auffälliges Kind die Verantwortung zu übernehmen. Kennen lernen, Wochendbesuche waren der Anfang. Die Erfahrungen dabei so wenig erquicklich, dass sie das Jugendamt vor die Alternative stellte, entweder jetzt die Zuweisung zu erhalten oder Abstand zu nehmen. Diese Konsequenz half und im September 1999 konnte die Familie Pflegesohn Marcel aufnehmen, erhielt 2001 das volle Sorgerecht. Und, sie hat etwas daraus gemacht! Heute ist Marcel fähig in Wittenberg unter Betreuung eine Wohnung zu bewohnen, absolviert eine Umschulung und ist trotz der traumatische Erlebnisse der Kindheit damit in der Lage ein begrenzt selbstständiges Leben zu führen. Neben den Kindern Ronald (geb. 1982, Vermessungstechniker) und Roman (geb. 1983, Dachklempner) hat die Familie noch für „Findel“ Anett Sorge getragen, die in jungen Jahren entschied „Mit 18 komme ich ganz zu Euch“, sich diesen Wunsch selbst erfüllte und Einzug in ihre Wunschfamilie hielt. Dieser hat sie zu verdanken, dass sie von der Drogen konsumierenden Jugendlichen zur gestandenen Frau wurde (heute Filialleiterin einer Bäckerei). „Das ist meine Familie“, sagt sie stolz von Familie Göhe und diese ergänzt, dass es nicht immer einfach war einen gemeinsamen Weg zu finden. Das Ergebnis aber zeigt: Liebe und Zuneigung haben es möglich gemacht. Diese Liebe gilt gleichermaßen allen ihren vier Kindern und natürlich auch der kleinen Enkelin.