MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ursula Güldner
„Wo Kinder sind, da ist ein goldenes Zeitalter.“ (Novalis)
Rentnerin
Berthelsdorfer Str. 107
09661 Hainchen
Fon: 037207 / 51293
Geboren 1935 in Oederan, erinnert sich Ursula Güldner an eine schöne Kindheit. Die Großeltern arbeiteten als Inspektor und Köchin auf einem Rittergut, ihre Mutter arbeitete in einer Fabrik. Erst zwei Jahre war das Mädchen Ursula als der Vater tödlich verunglückte. Die Mutter heiratete erneut und Ursula und ihr Bruder hatten nicht nur das Glück ein weiteres Brüderchen zu bekommen, sondern auch einen liebevollen Stiefvater. Sie erinnert sich an die Kriegs- und Nachkriegszeit: Die Flüchtlinge, die kamen und weiterzogen auf der Suche nach Verwandten und einem neuen Zuhause. Noch immer sieht sie die Bilder vor sich, wie die Mutter bei den Großeltern Decken auf dem Boden ausbreitete um Nachtquartiere zu bereiten. Und sie weiß noch, wie sie dann zum Pferdeschlächter lief, etwas Fleisch zu holen um einen Goulasch anbieten zu können. Aber auch, wie sie den Kindern den rotgefärbten Himmel zeigte als Dresden im Bombenhagel brannte... Der eigenen Familie blieb solches Leid erspart. Sie hatten eine kleine Landwirtschaft, genug zu essen, keine Existenzangst und die Kinder fanden es – zu jung, und unbeschwert denkend – richtig spannend wenn ein Fliegerangriff sie in den Luftschutzkeller verbannte. Sie konnten die Tragweite des Geschehens noch nicht erfassen. 1941–1949 besuchte Ursula die Schule, ging danach für drei Jahre bei einem Landwirt in Stellung. Eine Berufsausbildung ihr war damals nicht möglich. Sie lernte ihren Mann Heinz kennen und lieben, heiratete ihn 1954. Er war Landwirt mit Leib und Seele, hatte den Beruf von der Pike auf gelernt und 1956 eine Ausbildung zum Meister der Landwirtschaft durchlaufen. Privatwirtschaft, MTS und LPG waren seine Stationen. „Er hätte nie etwas anderes machen wollen....“ beschreibt Ursula Güldner die berufliche Leidenschaft ihres 2015 verstorbenen Mannes. Sie selbst wechselte in den VEB Baumwollspinnerei Flöha, Werk Falkenau und arbeitete im 3-Schicht-System. Die Familienplanung ließ die unregelmäßigen Arbeitszeiten bald nicht mehr zu. Zwei Kinder waren indessen geboren und die Eheleute wohnten noch bei den Schwiegereltern. Doch sie hatten Glück, erhielten durch die Arbeitsstelle von Heinz Güldner eine Neubauwohnung. Drei weitere Kinder bereicherten bald die Familie und Ursula Güldner blieb vorerst zur Kindererziehung und -betreuung zuhause. Als der Letztgeborene drei Jahre alt war, wurde Ursula Güldner in einer nahe gelegenen Kinderkrippe tätig, blieb bis zur politischen Wende in der DDR. Im Zuge der herbeigeführten Veränderungen wurde sie in den Vorruhestand gezwungen. Ursula Güldner berichtet von ihrem Stolz auf ihre Familie, zu der indessen 11 Enkel und 15 Urenkel gehören. „Mein größtes Glück ist, dass ich meinen Mann gehabt habe...“ sagt sie und dass sie nach wie vor gerne arbeitet und lange unabhängig bleiben möchte. Gartenarbeit ist ihre Lieblingsbeschäftigung und sie will täglich „....das Möglichste tun..... Das ist sie von Kindesbeinen an gewöhnt und es hält sie gesund, glaubt sie ganz fest. „Lust und Liebe muss man haben“ schließt sie die Erzählung aus ihrem Leben ab.