MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helga Gröger
Eine Frau mit Standhaftigkeit und Mut
Diplompädagogin für die Fächer Deutsch und Englisch
In Escherode 3A
99518 Niedertrebra
Helga Gröger, 1947 in Bad Kösen geboren, bestand die Prüfungen für das Abitur und für den Beruf zur Serviererin fast gleichzeitig. Von 1966 bis 1970 studierte die Thüringerin an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena Germanistik und Anglistik. Als Diplompädagogin lehrte sie in Niedertrebra bei Apolda Deutsch und Englisch.
1989 bat Helga Gröger um Entlassung aus dem Schuldienst. „Wegen meiner politischen Einstellung mobbten mich die Kollegen. Weil ich konfessionell gebunden bin, feierte mein Sohn Ingolf nicht die Jugendweihe, sondern die Konfirmation. Außerdem wurde ich kritisiert, weil ich nicht genügend Jungs für den Offiziersberuf geworben hatte. Darüber hinaus wollte ich für die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD), der ich seit den 60er Jahren angehörte, hauptamtlich tätig werden“, erzählt Helga Gröger. 1989 setzte sie sich bei Demonstrationen für Freiheit und Demokratie in der DDR ein. Am Runden Tisch des Kreises Apolda war sie die einzige Frau. Bei den ersten freien Wahlen kandidierte Helga Gröger für ihre Partei, erreichte die erforderliche Stimmenanzahl und wurde Fraktionsvorsitzende der LDPD (jetzt FDP) in ihrer Region. „In dieser Zeit nahm ich meine Kündigung zurück. Im Juni 1990 stellte ich mich zur Wahl für das Amt der Schulleiterin in Niedertrebra und hatte Erfolg. Nach einem Jahr stellte ich einen Antrag auf Vertragsaufhebung, da ich zur hauptamtlichen Beigeordneten des Landrates gewählt wurde“, sagt Helga Gröger. „Wegen einer Kreisreform kam es 1994 zu einer Kommunalwahl, bei der ich für das Amt des Landrates kandidierte. Ich verlor und wurde arbeitslos.“ Eine Rückkehr in den Lehrerberuf war wegen eines Einstellungsstopps nicht mehr möglich. Durch Zufall fand sie eine Anzeige, in der das Auswärtige Amt Lehrer für den Schuldienst im Ausland suchte. Sie bekam den Zuschlag. Als Deutschlehrerin bildete sie in Bulgarien Abiturienten aus, die das Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz der deutschen Länder erwerben und in Deutschland studieren wollten. Mitte 2013 kehrte Helga Gröger zurück, ist jetzt Rentnerin, arbeitet aber nebenberuflich weiter. Sie korrigiert und bewertet Aufsätze der Sprachdiplomanden und will mehr für die FDP tun.
Die Oma zweier Enkelsöhne hört Klassik und Rockmusik, liest gute Bücher. Mit sich, mit der Gesellschaft und Natur im Einklang zu sein, das ist für Helga Gröger Glück.