MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Christa Grywnow

Lehrerin statt Schauspielerin

Christa Grywnow

Rentnerin Husumer Straße 43 12683 Berlin Fon: 030 / 5142395

In der neumärkischen Kleinstadt Berlinchen (heute Barlinek in der Woiwodschaft Zachodniopomorskie) wurde Christa Grywnow 1929 geboren. Dort besuchte sie auch von 1936 bis 1944 die Mittelschule. Anschließend absolvierte sie das Pflichtjahr in einer Hauswirtschaft. Durch Besetzung und Vertreibung im Sommer 1945 kam es zu ihrer Flucht. „Das war mein Glück“ resümiert Christa Grywnow. Sie arbeitete dann auf den Feldern eines Gutes. Später begann sie in einem kleinen Betrieb, der die ersten Harken nach dem Krieg produzierte. Die nagelartigen Zinken wurden dort selbst hergestellt. Der Stundenlohn betrug 30 Pfennig. Christa Grywnow arbeitete dann noch in einer Gärtnerei, ehe sie ab 1947 wieder die Schulbank drückte, um einen 10-Klassenabschluss zu erreichen. „Wir waren die erste 9. und 10. Klasse, die es damals gab“, erinnert sie sich an den Oberschulaufbau. Anschließend wollte sie Schauspielerin werden. Obwohl sie schon direkt vor den Türen des Filmstudios Babelsberg stand, wagte sie sich dann doch nicht, dort einzutreten. Christa Grywnow bestand dagegen die Aufnahmeprüfung zur Lehrerausbildung. Ein Jahr dauerte diese Qualifikation 1949, weil Neulehrer dringend gebraucht wurden. In dem kleinen Ort Treuenbrietzen unterrichtete sie dann die Unterstufe und Physik. „Wir wurden in allen Fächern eingesetzt“, erzählt Christa Grywnow. Sie gehörte damals zu den jüngsten Nachwuchslehrern. Es folgten laufend Qualifizierungslehrgänge. Schließlich wurde sie in eine anderen Ort versetzt, den sie nur per Fahrrad erreichte. Dort lernte sie den Mehrstufenunterricht kennen. „Dafür gab es extra Lehrbücher, um sich das Wissen anzueignen, wie dieser Unterricht gestaltet werden muss“, berichtet Christa Grywnow. Schließlich arbeitete sie auch im Berliner Umland und bekam so eine Wohnung über die Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft (AWG). So wurde sie in Berlin sesshaft. Neben ihrer Unterstufentätigkeit unterrichtete Christa Grywnow auch gelegentlich Englisch in einer 7. Klasse und gab Vertretungen in unterschiedlichen Fächern. Für ihre Leistungen wurde sie mit der Pestalozzi-Medaille in Gold geehrt. Mit der Wende ging die Pädagogin in den Ruhestand. Zu diesem Zeitpunkt begann sie ihr Leben für die Enkel aufzuschreiben. „Ich habe so viele Erinnerungen an die Kindheit, die Flucht und die Jugendzeit“, sagt Christa Grywnow. Zwei kleine Bücher sind daraus geworden. Mit ihrem Mann Hans ist sie seit 1952 verheiratet. Die beiden Kinder bescherten ihnen inzwischen vier Enkel und zwei Urenkel. Auf die Familie ist Christa Grywnow besonders stolz. Sie bildet ihren Lebensmittelpunkt. Doch auch mit ehemaligen Kollegen und Schülern trifft sich die Pädagogin nach wie vor gern.
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