MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Horst Gröbler
Ein kostbares Relikt
Schuhmachermeister
Gemeindekirchenrat
Rentner
Im Willmersdorf 230
16356 Werneuchen/OT Willmersdorf
Urgroßvater, Großvater und Vater waren Schuhmacher. Natürlich setzte Horst Gröbler, geboren am 25.10.1937 in Bernau, alte Tradition fort und absolvierte seine Lehre beim Vater.
Anschließend arbeitete er als Orthopädieschuhmacher – damals waren die Bereiche nicht getrennt – bei zwei privaten Meistern.
Mit Wechsel an eine Berliner PGH widmete sich Horst Gröbler seinem Studium und hielt 1967 den Meisterbrief in den Händen.
Eine ganze Dekade fungierte er als Lehrmeister der PGH, welche mit der Wende Insolvenz anmelden musste.
Bis zum Jahre 2000 übernahm er einen Hausmeisterposten und begab sich in den wohl verdienten Ruhestand.
Doch noch immer träumt Horst Gröbler davon, etwas mehr Zeit zu haben. Schon vor der deutschen Vereinigung war er kirchlich aktiv, eine Geschäftigkeit, die intensiviert werden sollte.
Sein über 100 Jahre altes Elternhaus befindet sich neben der Kirche und der Schritt, ehrenamtlich tätig zu werden, war ein kleiner.
Nach der Wende wurden vier Gemeindemitglieder, unter ihnen auch Horst Gröbler, zu Beauftragten der Kirche berufen, er investiert viel Kraft und Zeit ins Ehrenamt.
Spannung versprach das Auffinden alter Dokumente, welche bei der Renovierung des Kirchturms zum Vorschein kamen.
Gemeinsam mit aktuelleren Dokumenten wurden die geschichtsträchtigen Belege bis zur nächsten Renovierung wieder in die Turmkugel eingelassen.
Erstmalige schriftliche Erwähnung erfuhr Willmersdorf im Zusammenhang mit dem Spandauer Benediktiner-Frauenkloster im Jahre 1317. Die Kirche wurde 1400 erstmals schriftlich benannt, deren Bau auf den Zeitraum von 1225 bis 1250 geschätzt wird.
Willmersdorf beherbergte die Hauptkirche, der Ort Weesow die Tochter. 1433 zerfiel das Pfarrhaus, doch die Mutterkirche blieb.
Natürlich wurden alle Renovierungsarbeiten nach Auflagen des Denkmalschutzes durchgeführt. Übrigens wird Willmersdorf erst seit 1900 mit zwei LL geschrieben.
Bei den Bewohnern des Dorfes suchte Horst Gröbler nach Gefallenen und Vermissten, sowie in den Nachkriegswirren Umgekommenen, des 2. Weltkrieges und brachte ihnen zum Gedenken eine Tafel an der Kirche an. Nach der Wende wurden unter Schutt andere versteckte Tafeln auf dem Kirchenboden gefunden.
Viel könnte der sympathische ältere Herr mit großem Wissensschatz noch erzählen, doch ein Bericht macht besonders zufrieden.
Abgesehen davon, dass sich seine Vorfahren schon in der Kirche verdient machten, ist er besonders glücklich über eine Bibel von Kaiserin Auguste Victoria. Das kostbare Relikt war einst Geschenk an die Willmersdorfer, die es voller Stolz hüten.