MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Marianne und Gerhard Grunert

„Müde macht uns die Arbeit, die wir liegenlassen, nicht die, die wir tun.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

Marianne und Gerhard Grunert

Landwirtin
Installateur, Klempner, Landwirt, Materialdisponent
Oberjahna 24
01665 Käbschütztal

Als Marianne Woiwode 1940 in Stachau (Schlesien) geboren, wuchs das Mädchen in der Landwirtschaft der Eltern auf. Sie war erst fünf Jahre alt, da floh die Familie vor der nahenden Front. Nach vier Wochen Aufenthalt in der Tschechei kehrte sie wieder nach Schlesien zurück, wurde 1946 jedoch endgültig vertrieben. In Meißen besuchten Marianne und ihre Schwester die Schule. Eine Lehre hatten ihre Eltern jedoch nicht für sie vorgesehen. Die Nachkriegszeit war schwer, die Eltern mit dem Neubeginn beschäftigt und so wurde auch das Mädchen Marianne für die Arbeit in der Landwirtschaft gebraucht um das Einkommen für die Familie zu sichern. Nach der 7. Klasse arbeitete sie im Feldbau, im Rinder- und Schweine-Stall und auf der Hühnerfarm – erst in privater Wirtschaft, dann in der LPG. 1958 heiratete sie, 1960 wurde Sohn Andreas (Landmaschinenschlosser) geboren. Die folgenden Jahre standen für die junge Frau unter keinem guten Stern. Die Ehe wurde geschieden, die Gesundheit machte Probleme. Glück im Unglück: Auf dem Weg zum Arzt, an der Haltestelle stehend, wurde sie von Gerhard Grunert angesprochen, der mit seinem Framo beruflich auf Tour war und sie wiederholt dort stehen sah. Was so begann, mündete in einer Hochzeit 1963 und der Freude über den Familiennachwuchs Uwe (1967, Maler, Fliesenleger). Marianne Grunert blieb bis zur Wende in der LPG tätig und wurde im Zuge deren Auflösung entlassen. Fünf Jahre arbeite sie danach in einem Lebensmittelgroßhandel, dann trat sie in den Ruhestand. Wenn sie sich zurückerinnert, beschreibt sie die Arbeit in der Landwirtschaft als sehr schön, wenn auch schwer, die Arbeit im Lebensmittelgroßhandel hingegen als nahezu unzumutbar. „Von früh um 5.00 Uhr ging es oftmals bis abends 23.00 Uhr. Das war stressig“, berichtet sie davon froh gewesen zu sein, als der letzte Arbeitstag kam. Sie hatte auch so genug zu tun denn ihre Mutter bedurfte der Pflege. Gerhard Grunert half dabei. Er wurde 1939 in Dresden geboren, erlebte den großen Bombenangriff mit und beschreibt wie er an Vaters Hand in Richtung Stadtmitte lief, über Leichen stieg und auch davon auf dem Friedhof (gegenüber dem Wohnhaus) zwischen den Gräbern Schutz vor den Bomben gesucht zu haben. „Die Bilder wird man nie los,“ sagte er rückblickend. Einer 8-jährigen Schulzeit folgte eine Lehre zum Installateur und Klempner in einem privaten Handwerksbetrieb. In einem Landwirtschaftsbetrieb nahm er schon nebenher eine Arbeit auf. Das traf auf Unverständnis bei seinem Vater (Rundfunkgeschäft-Inhaber), entsprach aber seinen eigenen Interessen. Er kümmerte sich selbst, annoncierte in der Zeitung, suchte Arbeitsstellen und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft. Letztendlich wurde er in der Erprobungsbrigade der LPG Schlettau tätig. In der LPG „Walter Ulbricht“ prüfte er landwirtschaftliche Geräte, war Kraftfahrer, Lagerleiter, Küchenchef..... „Ich war Mädchen für alles,“ beschreibt er seinen Einsatz nach betrieblicher Notwendigkeit. „Als die Wende kam war ich Materialdisponent dieser großen LPG und dann kam das Aus.....“ berichtet Gerhard Grunert weiter. Mit zwei anderen LPG-Mitgliedern versuchte er sich im Traktoren-Verkauf, doch die neue Geschäftsidee erschien ihm dann doch wenig zukunftsträchtig. So folgte er seiner Frau in den Lebensmittelgroßhandel (Sachsenhandel) und war hier bis zum Renteneintritt als Lagerleiter tätig. „Und nebenbei hatte man immer eine Mange Arbeit zu Hause. Wir hatten einen riesigen Garten, haben acht Schweine gefüttert um etwas Geld dazu zu verdienen,“ erzählt Gerhard Grunert von der Arbeit an der frischen Luft, die er gewohnt war und beherzt verrichtete. Gerne erinnern sich die Grunerts an die ersten Ehejahre als sie noch als Jäger und Treiberin aktiv waren. Und auch an die Übernahme des Hofes die einst Neubauernstelle war. Lange hegten sie Befürchtungen, dass der ehemalige Grundbesitzer seinen Besitz vielleicht einmal zurückfordern könnte. Doch nach und nach entschieden sie sich dann doch dazu Hand anzulegen, zu verändern und zu verbessern. Fünfmal waren sie vom Hochwasser betroffen, immer wieder haben sie die Ärmel hochgekrempelt und alles wieder hergerichtet. Ein Leben voller Arbeit, mit schweren Zeiten, doch mit viel Gemeinsamkeit und Zusammenhalt ohne die es nicht so erfolgreich hätte verlaufen können.
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