MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gerhard und Ingrid Grube
Nicht zollfrei durch das Leben
Robert-Koch-Str. 16
06110 Halle / Saale
Fon: 0345 / 4449638
Als Sohn eines Schlosser und einer Hausfrau 1937 geboren, lernte der junge Gerhard Grube nach dem Abschluss der 8. Klasse drei Jahre den Beruf Heizungsinstallateur. In einer Zeit, in der die Wehrpflicht noch nicht wieder eingeführt, aber für die Zukunft zu erwarten war, wollte er späteren Abhängigkeiten zuvorkommen und trat der Kasernierten Volkspolizei bei. In den Reihen der Bereitschaftspolizei absolvierte er 2 ½ Jahre Dienst, doch trotz guter Planstelle gefielen ihm die Aufgaben nicht. Darauf angesprochen Zoll-Angestellter zu werden, schien ihm das die interessantere Perspektive zu sein. Er kam nach Marienborn in das größte Grenzzollamt der DDR. Gerhard Grube absolvierte die Zollschule, verrichtete seinen Dienst fünf Jahre in Marienborn / Autobahn und stellte dann einen Antrag auf Versetzung in seine Geburtsstadt Halle. In der Bezirksverwaltung des Zolls in Leipzig fand er neue Herausforderung, trug dort Verantwortung in der Rechtsabteilung. Seiner guten Aufgabenerfüllung geschuldet, trat man an ihn heran, bot ihm eine Tätigkeit bei der Zollfahndung an. Eine interessante und große Aufgabe, die er gerne annahm und für die er sich erneut einer Qualifizierung stellten musste. Nachdem er jedoch feststellte, dass die fachliche Ausbildung hinter der ideologischen zurückstand, wechselte er an die Polizeifachschule Aschersleben und erlebte eine Studienzeit in der er viel lernte, wie er sagt. Zurück in der Zollfahndung konnte er die Theorie in der Praxis gut umsetzen, erreichte den Dienstgrad Kommissar, wurde mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet. Viel Zeit für das Privatleben blieb da nicht, doch 1979 – er war bereits 42 Jahre – fand auch er die Frau für’s Leben und heiratete. Ingrid Grube, geboren 1942, schloss die 10. Klasse ab und trat eine 2 ½-jährige Lehre zum Industriekaufmann an. Nach der Lehre blieb sie zwei Jahre im Ausbildungsbetrieb, arbeitete in Halle als Sachbearbeiterin. 1965–1968 studierte sie am Institut für Lehrerbildung Halle, arbeitete danach 35 Jahre im Lehrerberuf bis 2003. Die Wendewirren hat sie gut überstanden, nutzte das Angebot auf verkürzte Arbeitszeit – damals ein Mittel um allen Kollegen den Arbeitsplatz zu erhalten, Entlassungen zu vermeiden. Da Gerhard Grube indessen gesundheitlich starke Rückschläge hinnehmen musste, kam ihr diese Regelung nicht ungelegen, hatte sie doch so mehr Zeit für ihn. An die Zeit der Wende erinnern sich die Grubes noch ganz konkret. Gerhard Grube erzählt von Entlassungen, Kontrollen, neuen Vorgaben, dem Überstülpen anderer Verfahrens- und Ausdrucksweisen und der Verwunderung westdeutscher Vorgesetzter über die Anpassungsfähigkeit der Menschen in den neuen Bundesländern. Als Mitautor der Bücher „Die historische Entwicklung von Zöllen, Steuern und Abgaben der Stadt Halle“ und der „Chronik des Hauptzollamtes Halle“ konnte Gerhard Grube seine beruflichen Erfahrungen verarbeiten und weitergeben, nachdem er selbst 1998 aus dem Dienst ausgeschieden war. Mit Recht ist er stolz auf die Entwicklung die er genommen hat, auf seine Frau, die ihn immer unterstützt hat und auf den gemeinsamen Sohn Norbert, der für einen Enkel gesorgt hat.