MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Wolfgang Gruhnert
Nicht so viel reden, sondern loslegen
Käthe-Kollwitz-Str. 18
04720 Döbeln
Fon: 03731 / 570965
Selbst ist der Mann, beschreibt Wolfgang Gruhnert seine Lebenseinstellung, die ihm schon sein Großvater vermittelte. Dessen alte Hobelbank steht immer noch in seinem Keller. Trotz seiner direkten, ehrlichen und offenen Art versteht es der Ingenieur trotzdem, Streitkultur zu wahren und auch andere Meinungen zu akzeptieren.
Wolfgang Gruhnert wächst in Zeithain bei Riesa auf, die Mutter ist Hausfrau, der Vater arbeitet als Feinmechaniker und Vertreter für Singer-Nähmaschinen. Der Sohn erinnert sich noch heute sehr gut daran, wie ihm nach dem Wechsel in die weiterführende Schule die älteren Schulkameraden zunächst das Rauchen beibringen.
Nach der Schule erlernt er bei einem privaten Handwerksmeister den Beruf des Stellmachers, weil er die Natur und das Holz liebt. Als er in das Karosseriewerk wechselt, kennt ihn sein ehemaliger Meister nicht mehr, als er später erfolgreich sein Ingenieurexamen besteht, gibt dieser ihm sogar wieder die Hand. Es sind vor allem der Produktionsdirektor und der Werkleiter, genannt „der Kurze“, die Wolfgang Gruhnert motivieren, aus sich „mehr zu machen“. Vor allem seine Frau Inge hält in den finanziell sehr angespannten drei Studienjahren zu ihm. Sie heiraten Anfang der fünfziger Jahre, die erste Tochter Petra arbeitet als Sekretärin, deren zwei Jahre jüngere Schwester Heidemarie tritt als technische Zeichnerin in die Fußstapfen ihres Vaters, die jüngste Tochter Ulrike ist gelernte Köchin. Inzwischen ist Wolfgang Gruhnert stolzer vierfacher Opa und noch stolzerer zweifacher Uropa. Ein Urenkel wohnt nicht sehr weit, wenn er ihn besucht, kommt ihm dieser schon entgegen gerannt: „Opa, Opa, kleine Runde“. „Schade, dass die Oma das nicht mehr erleben kann“, sagt dann dessen Vater, einer seiner Enkel.
Nach dem Studium fängt der Absolvent im Schmiedewerk Roßwein an. „Du hast drei Jahre auf Arbeitergroschen studiert, du gehst dahin, wo dich die Arbeiterklasse einsetzt“, sagen ihm die Vermittler in einem Ton, der keinen Widerspruch zulässt. Trotzdem wird er auch hier schnell heimisch und beeindruckt die Kollegen vor allem damit, dass er als studierter Ingenieur in Schlossermontur und mit ölverschmierten Händen mit ihnen an den Maschinen bastelt.
Körperlich hält sich Wolfgang Gruhnert fit, indem er mindestens einmal in der Woche Touren von bis zu 100 Kilometern auf seinem Fahrrad absolviert. Dieses hat jetzt der in Flensburg lebende Enkel, der es für die dortige flache Landschaft für sehr geeignet hält. Die Wendejahre, vor allem die Zeit der Wiedervereinigung, erlebt er als Offenbarungseid menschlicher Charaktere. Seit 1992 genießt Wolfgang Gruhnert den wohlverdienten Ruhestand und hält sich noch beim Wandern fit, das menschliche Miteinander in seinem Wohngebiet in Döbeln ist für ihn geradezu ein Glücksfall.