MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Manfred und Waltraud Große

„Dem Weisen schmecken die Dinge so wie sie sind.“ (Deutsches Sprichwort)

Manfred und Waltraud Große

Staatlich geprüfter Landwirt, Sachbearbeiter
Fakturistin, Sekretärin., Sachbearbeiterin
Wolfstellenweg 2
04808 Wurzen OT Nemt
Fon: 03425 / 817015

Als Hausgeburt und Tochter einer Bauernfamilie kam Waltraud Hirschheide 1945 in Nemt zur Welt. Ein Bruder gesellte sich zwei Jahre später dazu und beide teilen gleiches Schicksal: „Unsere Kindheit bestand nur aus Arbeit. Die Eltern hatten keine Zeit, wir mussten vieles selber machen. Momente bei den Großeltern mütterlicherseits (die anderen waren zeitig verstorben) waren glückliche Verwöhnmomente.“ berichtet sie heute davon. Wenn der Vater die Hilfe auf dem Feld belohnte und einem Besuch des Dorfkinos zustimmte, rannten die Geschwister schnell nach Hause um den Schmutz vom Kartoffellesen von den Händen zu spülen und in die Filmvorführung zu eilen. Das Wetter musste im Feldbau ausgenutzt werden und so manches Mal flossen bei den Kindern Tränen weil ihre Wünsche unerfüllt blieben, denn sie wurden den Pflichten untergeordnet. Mit guten Noten in der Schule, hätte dem Mädchen Waltraud eine weiterführende Schulbildung offen gestanden. Doch wieder stand die Absicherung der Hofarbeiten im Vordergrund. Sie musste nach der 8. Klasse die Schule verlassen um als Arbeitskraft verfügbar zu sein, absolvierte die landwirtschaftliche Berufsschule und arbeitete auf dem elterlichen Hof. Nach einem Jahr musste sie aus gesundheitlichen Gründen die Arbeitsstelle wechseln. In der GHG Lebensmittel (Großhandelsgesellschaft) fand sie neue Beschäftigung als Fakturistin. 1962 lernte sie im Tanzsaal ihren Mann Manfred kennen. 1963 wurde geheiratet, im gleichen Jahr Sohn Ralf geboren (Beruf mit Abitur / Maschinenbau, zwei Kinder). Tochter Verona ergänzte 1970 die Familie (Fleisch- und Wurstverkäuferin, ein Kind). Die Geburt und den Tod eines zweiten Sohnes 1965 mussten die jungen Eheleute zwischendurch verkraften. „Unsere erste gemeinsame Anschaffung war unser Kinderwagen, das erste Geld 150 Mark Stipendium meines Mannes“ erzählt Waltraud Große von schwierigen Anfängen. Wegen der Kinder und eigener Erkrankung kehrte sie nicht mehr in die GHG zurück. 1972 begann sie als Kassiererin bei der Versicherung, bekam 1973 die Erlaubnis zum Ausüben von Heimarbeit (Montage Heizkissen-Regler). 1986 wurde sie vom Bürgermeister als Sachbearbeiterin für die Gemeindeverwaltung geworben. 1993 – mit Eingemeindung nach Wurzen – wurde Waltraud Große in die Stadtverwaltung Wurzen übernommen (Abteilung Schulverwaltung, Abteilung Soziales, Ordnungsamt) und blieb hier bis zum Renteneintritt im Jahr 2005 tätig. „Ich habe nie lange gefragt, habe mir immer gesagt: das musst du alleine schaffen....“ fasst Waltraud Große ihren beruflichen Werdegang zusammen. Den vorzeitigen Gang in die Rente nahm sie wegen dem Gesundheitszustand ihres Mannes vor. Er, 1943 geboren, wurde mit drei Geschwistern auf einem Bauernhof groß. Auch er kennt die Herausforderungen die ein solches Anwesen an die ganze Familie stellte. Beizeiten wurde er an die Übernahme von Aufgaben gewöhnt weil das Volksgut im Ort die Arbeitskräfte beanspruchte und es kaum möglich war Hilfe für den privaten Hof zu bekommen. Schwere Arbeit und hohe Abgaben prägten die damalige Zeit. Mit acht Jahren ackerte der junge Manfred schon mit dem Trecker, während der Vater Mist fuhr. An solchen Tagen „durfte“ der Junge der Schule fern bleiben. Später absolvierte er die landwirtschaftliche Berufsschule, denn von vornherein war klar, er würde in der Landwirtschaft der Eltern arbeiten. Eine andere Überlegung gab es gar nicht. Nach dem Besuch der Fachschule Wurzen wurde er jedoch 1964 im Rat der Stadt Wurzen als Sachbearbeiter für Landwirtschaft tätig. „Wir mussten von früh bis abends zupacken, da gab es nichts anderes...“ umschreibt Manfred Große die Eigenschaften der Eheleute: Fleiß, Disziplin, Kontaktfreude, Verlässlichkeit und Zielstrebigkeit. „Wir waren immer zufrieden, haben nie übers Geld lamentiert und sind doch zu etwas gekommen....“ ergänzt Waltraud Große die Worte ihres Mannes. Sie berichtet auch, in schweren Zeiten Halt im christlichen Glauben gefunden zu haben und davon sich zu wünschen in Frieden gemeinsam alt zu werden und hoffentlich noch die eine oder andere Schiffsreise unternehmen zu können.
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