MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Willi und Erika Grodde
„Je mehr Kinder, desto mehr Glück.“ (Sprichwort)
Triebfahrzeugführer
Landwirtin, Produktionsarbeiterin
Chemnitzer Str. 49
09661 Hainichen OT Gersdorf
Fon: 037207 / 53022
Erika wurde als uneheliches Kind in Krumbach bei Mittweida geboren. Die Mutter heiratete und zog 1935 nach Gersdorf. Erika wuchs bis 1939 bei den Großeltern in Krumbach auf. „....was die schönste Zeit meiner Kindheit war....“ sagt sie heute (noch immer im Haus der Großeltern wohnend). Es waren harte Jahre für die Mutti, doch auch deren Brüder, Oma und Opa kümmerten sich liebevoll um das kleine Töchterchen, erzogen, verwöhnten, beschäftigten es gemeinsam. 1939–1947 besuchte sie die Schule, danach die landwirtschaftliche Berufsschule und arbeitete auf dem Familienhof. Sie erinnert sich an die Zeit als die Werber kamen und den Beitritt zur LPG einforderten. Und daran, wie schwer es in dieser anfangs war. Die mit integrierten Neubauern hatte wenig Erfahrung in der Landwirtschaft, ihre Felder waren verwildert. Sie kamen aus der Stadt und hatten die Neubauernstelle vor allem angenommen um dem Hunger nach dem Krieg zu entgehen. 1952 heiratete Erika den Elektriker Herbert Schraps. Drei gemeinsame Kinder wurden geboren. Ehemann Herbert arbeitete erst mit im Familienbetrieb, später auf der LPG als Elektriker. „Leider verstarb mein lieber Mann am 25.12.1984“ berichtet Erika Grodde. 1960 trat die Mutter der LPG bei, Erika arbeitete dort fortan im Feldbau bis 1970. Danach wechselte sie in den VEB Vliestextilien Hainichen und blieb dort 16 Jahre in der Produktion, auf Leistung arbeitend, tätig. Weitere knappe fünf Jahre im VEB Barkas-Werke folgten. Sie arbeitete nun im Lager. Angebote in die Verwaltung zu wechseln schlug sie aus. Sie musste Geld verdienen. „Gerne hätte ich nochmal was gelernt, aber die Familie ging immer vor. Darum freue ich mich auch, dass meine Kinder alle etwas lernen konnten und aus ihnen etwas geworden ist (Sekretärin, Ingenieur, Betriebswirt)...“ erzählt sie. 1989/90 kam die Wende. „Erst sollten wir Alten gehen, dann mussten die Jungen gehen, bleiben konnte schließlich keiner.....“ berichtet sie von ihrem Gang in den Vorruhe- und dann in den Ruhestand. Eine Abfindung gab es damals für sie nicht. Ehemann Willi (geheiratet 1990) erging es besser, er musste auch gehen, doch wenigstens war eine kleine Abfindung Trost. 1929 wurde Willi Grodde als Sohn eines Schumachers und einer Hausfrau in Ostpreußen geboren. Im März 1945 musste die Familie die Heimat verlassen und für den jungen Willi endete die Jugend jäh. Hunger kannte er bis dahin nicht. Die Familie lebte auf einem Rittergut, konnte Tiere halten und es herrschte zudem reger Tauschhandel, so dass es an nichts fehlte. Die 8-klassige Schule hatte er bereits abgeschlossen, die Lehre zum Landmaschinenschlosser hatte er nicht antreten dürfen weil seine Arbeitskraft auf dem Rittergut gebraucht wurde. Alle Männer waren im Krieg. Lediglich Gefangene waren zur Arbeit abgestellt. 1945 hieß es also: „Haut ab, die Russen kommen....“ und zu Fuß mit wenigen Habseligkeiten begann die Odyssee. „Man hat viel gesehen und erlebt. Dort lag ein totes Kind, dort eine tote Frau, dort ein totes Pferd, Beschuss durch Tiefflieger....“ berichtet er. In Danzig wurde er von den „Kettenhunden“ (Geheime Feldpolizei) aufgegriffen und zur Arbeit in einem Lazarett verpflichtet. Als der Gefechtdonner hörbar wurde, floh er mit seiner Mutter in einem Flüchtlingszug (Güterzug, offene Kohlewagen voller Menschen) weiter. Schließlich in Mittweida angekommen, begann ein neuer Lebensabschnitt. Bei einem Bauern arbeitete er 1945–1953, dann lernte er seine erste Frau kennen und gründete eine Familie (zwei Kinder). Im Lager einer Schraubenfabrik arbeitete er, wechselte dann zur Deutschen Reichsbahn in den Gleisbau. Er qualifizierte sich um Schienen- und Triebfahrzeuge fahren zu können und arbeitete so bis zur Wende. Nachdem beide Eheleute ihre ersten Partner verloren und sich gefunden haben, ist eine große Patchwork-Familie entstanden. „Unsere Kinder sind der größte Reichtum den wir haben...“ sagt Erika Grodde und beide freuen sich über den großen Zusammenhalt in der Familie. Schwierige Zeiten haben die Groddes durchgestanden, sich nie davon beugen lassen. Anderen Hilfe zukommen lassen, liegt ihnen im Blut. Beispiel geben dafür insbesondere bei Erika Grodde die Unterstützung ihrer Mutter und bei Wille Grodde die 30 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr. Nachbarn und Bekannte sind glücklich über diese Eigenschaft der Groddes, denn auch sie partizipieren davon. Neun Enkel und acht Urenkel werden Erinnerungen und sicher auch den „Geist der Familie“ weitertragen.