MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ingeborg Greth
„Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen.“ (Benjamin Franklin)
Grundschullehrerin
Oberlehrerin
Bahnhofstr. 21
06773 Gräfenhainichen
Fon: 034953 / 22601
1941 in Lauchhammer geboren, wuchs das Mädchen Ingeborg in Elsterwerda auf. Ihr Vater war Handelskaufmann, die Mutter hatte keinen Beruf gelernt, sich jedoch ein Leben lang durch die ausgeübten Tätigkeiten weiterentwickelt. „Meine Mutti konnte alles.....“ sagt sie heute dazu. Als Weißnäherin und Büglerin hat sie gearbeitet, Babysitten gelernt und war als Verkäuferin tätig. Sie tat, was sie tun konnte um den Familienetat zu stärken. Und doch war es letztlich nicht möglich dem Mädchen Ingeborg den EOS-Besuch zu gestatten. Da der Vater Angestellter in einem Privatbetrieb war, zählte die Familie nicht zur Arbeiterklasse mit der Folge, dass eine Delegierung zur EOS ausgeschlossen war, es sei denn Schulgeld würde entrichtet werden. Das konnten sich ihre Eltern jedoch nicht leisten. Entsprechend lernte das junge Mädchen nach Abschluss der 8. Klasse im BKW Plessa den Beruf Industriekauffrau. In der DDR herrschte in dieser Zeit ein Mangel an Lehrern, was massive Werbung für diesen Beruf mit sich brachte. Ingeborg Greth – gerade im dritten Lehrjahr – sah hier eine große Chance, bewarb sich und wurde angenommen. Das erste „Studienjahr“ war von vier Tagen LPG-Arbeit und zwei Schultagen geprägt, an denen die wichtigsten 10-Klassen-Fächer nachgeholt wurden. Zwei Jahre Studium am Institut für Lehrerbildung sollten folgen. Doch bereits nach einem halben Jahr kam eine neue Order: Das dritte Studienjahr bereits Einsatz im Schuldienst mit Weiterführung des Studiums im Fernstudium. Eine Herausforderung, die für Ingeborg Greth noch größer wurde, weil sie 1961 ihrem Sohn Mario (Dipl.-Ing.) das Leben schenkte. „Mit 20 Wochenstunden an einer Schule in Elsterwerda arbeitend, plus Samstag Fernstudium in Bad Liebenwerda, die Ferien in der Weiterbildung...... wenn ich da meine Mutti nicht gehabt hätte....“ resümiert sie heute. Auch Ehemann Günter (Hochzeit 1961, Elektroingenieur, Dipl.-Ökonom, verstorben 1993) studierte zu dieser Zeit noch (Bergakademie Zwickau). Als Elektroningenieur fand er im Anschluss Arbeit in der Zentralwerkstatt Gräfenhainichen. Ingeborg Greth ließ sich an eine dortige Schule versetzen. 1965 wurde Tochter Sybille geboren. Mit jungen 20 Jahren stand Ingeborg erstmals als Grundschullehrerin vor einer Klasse. 42 Jahre hat sie im Schuldienst gearbeitet, war als Fachberaterin tätig und glücklich im Beruf. Heute möchte sie nicht mehr Lehrerin sein, sagt sie. Das gemeinsame Streben von Elternhaus und Schule ist nicht mehr gegeben. Es ist einer Gegnerschaft gewichen, die für die Kinder und ihre Entwicklung nicht dienlich ist. Glücklicherweise betrifft es nicht alle Eltern. Es gibt auch noch Ausnahmen. Ingeborg Greth hat neben ihren eigenen Kindern und den ihr anvertrauten Schülern auch für den Enkelsohn Verantwortung getragen. Der Junge wuchs – familiär bedingt – bei ihr ab dem 10. Lebensjahr auf. Er ist heute noch in der Region ansässig, während die Kinder indessen in München zu Hause sind. Für tägliche Gesellschaft hat Sohn Mario bei seinem Wegzug mit einem „lebenden Abschiedsgeschenk“ gesorgt: Kater Micky ist seit 11 Jahren Ingeborg Greths Begleiter. 500 Quadratmeter Garten sorgen zudem für Beschäftigung. Das monatliche Stammtisch-Treffen mit ehemaligen Kollegen hält Erinnerungen wach und ist Austauschmöglichkeit für Neues. Und wenn etwas mal nicht so laufen sollte, hilft immer noch ihre innere Einstellung, die da sagt: „Nimm’s nicht so schwer!“