MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Horst Groß
Ein arbeitsreiches Leben für die Familie und die Kollegen
Streckenwärter, Schmelzer
Siedlerweg 5
04668 Grimma OT Kössen
Fon: 034384 / 72586
Horst Groß wird am 23. September 1929 geboren und wächst mit neun Geschwistern auf. So lernt er schon sehr früh, zu teilen und für andere Menschen da zu sein. Dazu kommt, dass der Vater, der im Steinbruch als Sprengmeister arbeitet, 1938 tödlich verunglückt. Nach diesem Unglück werden die Kinder auf verschiedene Familien aufgeteilt. Horst Groß kommt bei einem Bauern unter, der ihn sofort wie ein Familienmitglied behandelt. Mit 15 Jahren kehrt er zu seiner Mutter zurück, die als Landarbeiterin auf einem Rittergut tätig ist. Er denkt gern an eine Kindheit mit viel Arbeit, aber auch dem geliebten Gipsperlenspiel zurück. Dazu kommt der Zimmermann Oswin Milsdorf, der stets die Hand über ihn hält und ihm alle Kniffe seines Berufs beibringt. Ein Bruder von ihm fällt nach dem Überfall auf Polen im Krieg. Horst Groß träumt vom Schlosserberuf, geht zur Eisenbahn und erhält hier eine Ausbildung zum Streckenwärter. Doch das Geld reicht ihm nicht, er ist seit dem 19. April 1953 verheiratet, bald sind vier Mädchen und ein Junge zu ernähren. So entschließt sich Horst Groß zum Berufswechsel, fängt 1960 in einer Gießerei der Motorenwerke Grimma an und erlernt den Beruf des Schmelzers. Die Arbeit ist sehr schwer, doch er geht stets gern zur Arbeit. Vor allem die erfahrene Kollegialität lässt diese Jahre in seiner Erinnerung zur schönsten Zeit seines Arbeitslebens werden. Als der Sohn im Alter von nur 23 Jahren an einem Herzfehler stirbt, kann sich Horst Groß auf die Solidarität seiner Kollegen verlassen. Im Jahr 1989 will er aufhören, der Werkleiter versucht ihn zu halten. Dann kehren die gesellschaftlichen Veränderungen das Unterste zu oberst, kurze Zeit später wird die Gießerei geschlossen.
Seine Frau ist gelernte Schlosserin, betreibt außerdem noch eine eigene kleine Landwirtschaft und arbeitet in der Küche des Werkes. Der Kauf eines eigenen Hauses im Jahr 1967 erweist sich unter den Bedingungen der Mangelwirtschaft in der DDR als eine echte Herausforderung. Die Eheleute sanieren fast alles selbst und stecken eine Menge Geld in das Anwesen. Horst Groß hat seinen Lohn stets zu Hause abgegeben, ihm liegt es sehr am Herzen, dass es seiner Familie gut geht.
Horst Groß hat seit 1947 neben der Arbeit gern und aktiv Fußball gespielt und ist lange Jahre Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes. Heute verbringt er seine Zeit vorrangig mit dem Schauen guter Krimis im Fernsehen, freitags kommen die Freunde und Bekannten zu ihm. Diese wollen nicht, dass er in seinem Alter abends noch allein nach Hause gehen muss. Horst Groß will noch eine Weile das Aufwachsen seiner Urenkel erleben und freut sich stets von neuem auf ihren Besuch.