MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Helga Groß

Wissen und Können

Helga Groß
Schneidermeisterin

07546 Gera

Eines ließ sich Helga Groß niemals nehmen – unbeirrt ihren Weg zu gehen und jedes Ziel zu erreichen. Begleitet von vielen Berufsstationen, war ihr Wissen und Können begehrt. Und selbst als Pensionärin geht sie noch ihrem geliebten Metier mit Freude und Ausdauer nach. Inmitten des Krieges am 25.05.1943 als Tochter eines Bankdirektors geboren, war es ihr Wunsch, in gänzlich anderer Branche tätig zu werden. Nach ihrem Schulbesuch ließ sie sich an einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks zur Schneiderin ausbilden und arbeitete auch danach in dieser PGH. Das Studium finanzierte sie sich selbst, erhielt 1967 den Meisterbrief und wurde als Damenschneidermeisterin eingesetzt. Nach weiterer Ausbildung begann Helga Groß zu unterrichten, bildete nun Schneidermeister aus, nahm Prüfungen ab und unternahm mit ihren Schülern sogar privat schöne Dinge. Noch heute kommt Freude auf, wenn sie ihre früheren Eleven trifft und umgekehrt ist es nicht anders. 1980–1993 widmete sie sich der Pflege ihrer erkrankten Eltern. Sie schenkte ihnen Liebe, doch die 13-jährige Ära der Betreuung raubte auch Kräfte. Wendebedingt arbeitslos setzte Helga Groß trotzdem den beruflichen Werdegang fort. Der Geschäftsführer der Handwerkskammer München inspirierte zu Neuem. Helga Groß ließ sich in modernen Schnitttechniken ausbilden, besuchte Seminare in München und arbeitete wiederum als Dozentin in der Meisterausbildung. Sie leitete Schneiderkurse für russische Offiziersfrauen und kreierte nach Wechsel zur Firma Loi Moden Schnitte im Eleganzmodebereich. Man holte sie an die Hauswirtschaftsschule Weißenfels und an zwei Bildungseinrichtungen in Gera. Weiterhin vervollkommnete sie sich an Hand von Weiterbildungen, war im mitteldeutschen Handwerkskreis überaus aktiv und hielt zahlreiche Fachvorträge deutschlandweit. Einst gewann sie beim Bundeskongress der Schneider die Goldmedaille. Heute sitzt sie als Jurymitglied in vorderster Reihe und ist ebenfalls vom 5-Länder-Treffen der Schneider nicht wegzudenken. Die damit verbundenen Dienstreisen nimmt sie leicht und betrachtet sie als Symbiose aus Arbeit und Urlaub. "Ich arbeite gern und möchte meine Erfahrungen an die nächste Generation weitergeben, damit dieses Handwerk nicht ausstirbt", sagt sie. Eigentlich wollte die 2-fache Mutter und 3-fache Großmutter irgendwann ihr Rentnerleben genießen, meldete anstatt dessen ihr Kleingewerbe an und machte einfach weiter. Aus Spaß an ihren Aufgaben, erteilt Helga Groß neben ihrer Jurytätigkeit Schneiderkurse, näht natürlich noch immer und erklärt: „Es ist ein riesiger Unterschied, ob man arbeiten möchte oder arbeiten muss.“
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