MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ingo Grothe

„Wir können nichts anderes.....“

Ingo Grothe

Geschäftsführer
Grothe-Gaststättenbetriebs GmbH
Priesdorfer Str. 6
06780 Zörbig OT Priesdorf
Fon: 034978 / 21267
Internet: www.gaststeatte-priesdorf.de

Eine über 100-jährige Tradition führt Ingo Grothe mit der Gaststätte Priesdorf weiter. 1902 von einem Onkel seiner Oma gegründet, führte ab 1939 sein Opa Hermann Michalek den Betrieb und legte ihn später in die Hände der Tochter – der Mutter von Ingo Grothe. Auch sein Vater Heinz arbeitete mit in der Gaststätte und für den 1964 geborenen Ingo gab es nach Abschluss der 10. Klasse (1970–1980 Schulbesuch) nur ein Berufsziel: Eine Kellnerlehre. Im Hotel „Zum Bär“ in Quedlinburg lernte er zwei Jahre und blieb dort als junger Facharbeiter im Service tätig. Während der Lehre hatte er Katrin kennengelernt, 1984 geheiratet. Im gleichen Jahr wurde Sohn Falko (studiert heute Politik und Geschichte) geboren. Tochter Anna (heute Staatliche geprüfte Erzieherin) komplettierte die kleine Familie 1988. Dass er 1989 noch zum Grundwehrdienst eingezogen wurde, weil man ihn zuvor vergessen hatte, war insofern kein guter Zeitpunkt. Doch der Familienvater hatte Glück, denn die Wende kam und damit für ihn die vorzeitige Entlassung aus dieser leidigen Pflicht. Die elterliche Gaststätte war zur DDR-Zeit in die Konsumgenossenschaft integriert worden und mit der Wende stand die Privatisierung an. War früher die Ware zugeteilt, die Preise vorgeschrieben, gab es jetzt alles, was das Herz begehrte. Die Getränkelieferanten gaben sich mit Angeboten und gewünschten Lieferbindungen die Klinke in die Hand, die Gäste wollten keine Soljanka mehr. Alles war in Veränderung begriffen. Ingo Grothes Eltern wollten sich diesen neuen Anforderungen nicht mehr stellen, wollten die Verantwortung abgeben und übergaben die Gaststätte 1990 an den Sohn. Während sich Vater Heinz mit seiner Bergmannsrente in den Ruhestand zurückzog, arbeitete die Mutter weiterhin beim Sohn, hilft heute noch mit. Das Ziel der jungen Gastronomenfamilie Grothe war ein Angebot für die ganze Familie zu schaffen. Das ist ihnen gut gelungen – auch durch den Bau einer Bowlingbahn 2004 – und Veranstaltungen wie „Schnitzelbowling“, „Frühstücksbowling“ und die Ausrichtung von Familienfeiern. Heute freuen sich die Gäste wieder über die DDR-bekannten Gerichte wie Strammer Max, Würzfleisch und Bauernfrühstück. Die gute alte Soljanka ist wieder beliebt. Zeiten mit weniger Gästen wird seit 1991 mit einem Partyservice begegnet, Werbung in den Medien ist unerlässlich. Mit einem Saal für 100 Personen bieten sie einen Rahmen, der auch großen Anlässen wie Schulabschlussfeiern und Hochzeiten Genüge tut. Drei gelernte Vollzeit- und zwei Teilzeit-Kräfte arbeiten im Unternehmen. „Wir machen, bis wir in die Rente gehen....wir können nichts anderes....“, sagen die Grothes lachend auf die Frage nach der Zukunft und bringen damit zum Ausdruck, dass diese Arbeit ihr Lebensinhalt geworden ist, ihnen Freude macht. Gesellschaftlich engagiert sich Ingo Grothe im Ortschaftsrat, spielt in der Schalmaien-Kapelle. Und was sie eigentlich mit dem ersehnten Lotto-Gewinn anstellen wollen, wenn sie doch von ihrer Arbeit nicht lassen können, bleibt ungesagt.
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