MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dipl.-Ing. Tom Große
Der Soldat und seine unfreiwillige Wandlung
Geschäftsführer Ing.-Büro für Kfz-Technik UG Puschkinstr. 1 a 06388 Gröbzig Fon: 0171 / 9707799 Fax: 034976 / 18316 E-Mail: tom.a.grosse(at)googlemail.com
Wie jeder Junge, hatte auch Tom Große einen Kindheitswunsch, den Beruf betreffend: Soldat wollte er werden. Zielstrebig absolvierte er deshalb seine 10. Klasse, das Fachabitur und eine Ausbildung als Instandhaltungsmechaniker, bevor er als Offiziersschüler zur Armee eingezogen wurde und ein Studium an der Offiziersschule „Ernst Thälmann“ in Löbau aufnahm. Mit dem Abschluss des Dipl.-Ing. für Maschinenwesen trat er als Fachlehrer / Zugführer seine erste Dienststellung an. Seine Ernennung zum Leutnant im August 1989, sein Dienstantritt ab September gleichen Jahres waren in die Zeit des Umbruchs in der DDR gefallen. Entsprechend fiel auch die nachfolgende Zeit aus: Als Offizier vom Dienst erhielt er den Befehl zur Bewaffnung von Soldaten und Unteroffizieren, weil man Unruhen fürchtete. Das waren keine Übungen mehr, das war bitterer Ernst. Niemand wusste, wie es weitergehen würde. Niemand ahnte, welche persönlichen Veränderungen damit einhergehen würden. Eine unstete, ungewisse, teilweise chaotische Zeit brach an. Zwei Welten trafen aufeinander. Wer würde zu welchen Bedingungen in die Bundeswehr übernommen? Wer wären die Vorgesetzten? Wie wären sie? Was würde mit dem Bestand an Bewaffnung und Ausrüstung? Nach welchen Dienstvorschriften würde gehandelt? In der Praxis gestaltete sich diese einmalige Situation so: Der letzte Unteroffizierslehrgang wurde nach Abschluss in die Truppe verlegt, die Ausbildungs-Offiziere wurden zur besonderen Verwendung vorgesehen. Konkret hieß das, ohne Aufgaben die Dienstzeit zu verbringen bis Entscheidungen getroffen waren. Diese betrafen dann vorerst die Auflösung des Bestandes der Nationalen Volksarmee, Demontage, Zerlegung, Verschrottung von Technik. Die Aufträge waren gleich und Dienstgrad unabhängig. Die Pflichten waren umfassend, Rechte nicht bekannt. Das Gefühl des Ehrverlustes stellte sich ein. Anerkannt jedoch war die fundierte fachliche Ausbildung und nach Antrag auch der Diplom-Abschluss des Maschinenbauingenieurs (FH). Die R+V Versicherung suchte Fachleute dieser Art, um sie zu Sachverständigen für Unfallschäden auszubilden. Als angestellter Schadengutachter reiste Tom Große drei Jahre durch Mecklenburg-Vorpommern, bevor er für ein privates Ingenieurbüro in Köthen tätig wurde. Die Weitsicht seines Chefs eröffnete neue Betätigungsfelder. Die Ausbildung zur Prüfung von Kraftfahrzeugtechnik bei der DEKRA brachte die Berechtigung für die Durchführung von Haupt- und Abgasuntersuchungen an Kfz. Am 01.11.1999 wagte Tom Große den Weg in die Selbstständigkeit, eröffnete das Ingenieurbüro 2000, als Ursprung des heutigen Ingenieurbüros. Auftraggeber sind freie Werkstätten, private Kunden und zwei Prüfstellen in Gröbzig und Köthen. Tom Große hat seinen Traum Soldat zu sein verloren. Er hat Ideale aufgeben, Überzeugungen prüfen müssen. Zerbrochen hat ihn das nicht. Er hat aus eigener Kraft und mit Hilfe seiner Frau eine solide Firma aufgebaut, Tochter Tina (geb. 1984, Dipl.-Sozialpädagogin) zu einem engagierten Menschen erzogen. Hunde und Katzen sorgen „für das Seelenheil“ und geben ihm damit Kraft alle Herausforderungen anzunehmen. Und so steht er im Berufsleben seinen Mann, wie er es als Soldat gerne weiter getan hätte.