MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Norbert und Gudrun Grahl
Glück kommt nicht von ungefähr
Schulleiter
Konditorin
99099 Erfurt
Für den 1953 in Dippoldiswalde geborenen Norbert Grahl war der Schulbesuch 1960–1970 nicht nur Wissensvermittlung in allen Fächern, sondern vor allem auch Prägung für sein späteres Leben und Orientierung für die eigene berufliche Entwicklung. In den 60-Jahren wurden die Schüler oft von Junglehrern unterrichtet, die selbst erst fachlich frisch geschult, oft aber durch die Erfahrungen der erlebten Kriegs- und Nachkriegsjahre charakterlich stark waren. Einem solchen Lehrer war auch Norbert Grahl anvertraut, und seine Achtung vor den unkonventionellen, doch einfallsreichen und gradlinigen Lehrmethoden dieses Mannes führten ihn letztendlich nach Beendigung der 10. Klasse an die gleiche Ausbildungsstätte, die einst sein Lehrer besuchte hatte – das Institut für Lehrerbildung in Nossen. Als Unterstufenlehrer für 1.–6. Klasse und Erzieher / Pionierleiter ausgebildet wurde er vier Jahre später an der POS Dippoldiswalde tätig, übernahm als Klassenleiter eine 5. Klasse, unterrichtete Deutsch, Mathematik und Werken. Die neue Herausforderung brachte privates Glück mit sich, denn er lernte seine Frau Gudrun (Erfurterin) kennen, die zur gleichen Zeit an der Ingenieurschule Dippoldiswalde ein Studium aufgenommen hatte. Nach einem knappen Jahr (1975) wurde geheiratet, nach einem weiteren erfolgte der Umzug in die Heimatstadt seiner Frau. An der Kinder- und Jugend-Sportschule fand er neue Anstellung als Grundschullehrer Werken und Erzieher im Freizeitbereich für drei Jahre. Gesundheitliche Probleme führten zur ärztlichen Empfehlung normalschichtig tätig zu werden und wieder komplett in den Lehrerberuf zurückzugehen. Norbert Grahl wechselte an die 31. POS, wurde in den Fächer Werken, Polytechnik und zeitweise als Klassenlehrer tätig. Nach der Wende und Weiterführung dieser Schule als Grundschule, hatte seine notwendige Neubewerbung – jetzt als Schulleiter – Erfolg. So stand er nun der Schule vor, in der er bisher selbst als Lehrer tätig war, trug folgend Verantwortung für insgesamt drei vereinte Schulen mit 16 Klassen, 412 Kindern und ca. 30 Lehrern und Erziehern. 20 Jahre so tätig, wechselte er danach für zwei Jahre an eine Schule in Kerspleben, weil dort eine Kollegin in den Ruhestand versetzt wurde und dringend Ersatz nötig war, ging dann selbst mit 60 Jahren in die Altersteilzeit. Die teilt er mit Ehefrau Gudrun, einer gelernte Konditorin. Dass sich nach deren Lehre der große Traum der Arbeit auf einem Schiff oder in einem Interhotel nicht erfüllt, führte sie zum Studium nach Dippoldiswalde. Der großen Liebe und damit verbundenen schnellen Familiengründung (Sohn Holger, geboren 1976, Zahntechniker, Wirtschaftswissenschaftler / Sohn Sven, geboren 1977, selbstständig mit Heizungs- und Sanitärfirma) geschuldet, beendete sie ihr Studium nicht, kehrte für 10 Jahre in ihren Lehrbetrieb zurück. Danach im öffentlichen Dienst tätig, hatte sie hier über die Wende hinaus Beschäftigung, musste dann auch kurzzeitige Arbeitslosigkeit und Umschulung kennenlernen, bevor sie nur noch stundenweise Arbeiten ausführte um sich der Pflege ihrer Mutter und Betreuung ihrer vier Enkel widmen zu können. Ein besonderes Erlebnis in ihrem Leben: Ein ZDF-Team filmte in Erfurt anlässlich des Internationalen Frauentages den Alltag von Frauen in der DDR, auch den von Gudrun Grahl. Objektiv wurde berichtet, korrekt wiedergegeben. Nach der Wende wurde der Film erneut gezeigt, eine Podiumsdiskussion dazu geführt – nun allerdings geprägt von Vorurteilen und mit Ausrichtung auf gewünschte Erkenntniserlangung. Familie Grahl bedauert das als Ausdruck eines Trends neuer Methoden bei Berichterstattungen. Offenheit und Ehrlichkeit sind für Familie Grahl nämlich zwei unabdingbare Eigenschaften, die ihnen selbst eigen und von ihnen selbstverständlich auch bei anderen erwartet werden. Der familiäre Zusammenhalt ist außergewöhnlich, die jährliche Urlaubsreise mit den vier Enkeln Jahreshöhepunkt. Sie sind zufrieden – so kann es bleiben!