MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Horst und Margherita Greger
„Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.“ (Andrè Malraux)
Hauptstr. 134
06862 Dessau-Roßlau
Fon: 0173 / 2983646
Horst Greger wurde 1943 im heutigen Polen geboren und teilte das Schicksal vieler Vertriebener: Mit großem Leiterwagen und zwei Pferden begab sich seine Familie auf die erste Flucht, kehrte in die Heimat zurück, als die Gebiete von den Deutschen wieder besetzt waren und als sicher galten, um in Folge erneut zu fliehen....Zwei bis dreimal, so erzählt er, ging das so, dann war das Verlassen der Heimat endgültig. Als die Familie in Roßlau ankam, hatten sie ihr Hab und Gut verloren, den Großvater auf der Flucht begraben und waren einer Erschießung durch Russen knapp entgangen. Mittellos und gedemütigt waren sie auch als Flüchtlinge und Umsiedler nicht gerne gesehen, bewohnten nun mit fünf Personen ein kleines Zimmerchen und versuchten alles um zu überleben. Nach dem Abschluss der 8. Klasse (1949–1957) nahm er eine Ausbildung zum Elektromonteur im DHW Rodleben auf, blieb als Betriebselektriker im Betrieb. 1965 zum Grundwehrdienst eingezogen, nahm er nach Beendigung 1966 eine Arbeit als Elektromonteur in der PGH Energie auf, blieb bis 2003. Er erlebte den Aufbau und die Blütezeit der PGH mit, berichtet davon seiner Arbeit mit Begeisterung nachgegangen zu sein,“ ...denn man hatte eigenständige Aufgaben und immer jemanden im Rücken der einen unterstützt hat....“ erzählt er, und von dem Wandel nach der Wende. „Dann fing das Dilemma an...“, sagt er rückblickend. Jeder hatte große Erwartungen, es gab keine vernünftige Anleitung mehr, keiner wollte für Fehler Verantwortung tragen, positive Ergebnisse jedoch sich selbst zuschreiben, in der aus der PGH nun hervorgegangenen neu gegründeten GmbH. Als aktiver Gesellschafter glaubte er seinen eingebrachten Anteil als Rentenvorsorge gut angelegt zu haben doch leider irrte er hier. 2003 bezahlte ein Kunde aus den alten Bundesländern eine Rechnung in Höhe von 400.000 € nicht. Obwohl er selbst das Geld vom Generalauftragnehmer nachweisbar erhalten hatte leitete er es nicht weiter und meldete statt dessen Insolvenz an. 56 Mitarbeiter der Dessauer GmbH standen über Nacht auf der Straße, das Insolvenzgeld reichte nicht um die Gläubiger auszuzahlen, die Einlagen der Gesellschafter waren verloren. Mit inzwischen 60 Jahren war die Suche einer neuen Arbeit schwer, letztendlich nur in einer Zeitarbeitsfirma möglich mit einem Angebot: 6,50 € Stundenlohn, Arbeit in Bayern – ohne Kostenerstattung. So wollte sich Horst Greger nicht ausnutzen lassen und musste nach 46 Jahren vorzeitig in Rente gehen – mit einem Abzug von 14,9 %! Als ihm 2008 eine 1992 abgeschlossene Kapitallebensversicherung ausgezahlt wurde, erhielt er von der IHK die Aufforderung Sozialabgaben auf diesen Betrag zu bezahlen auf der Grundlage eines Gesetzes, das 2004 (!) erlassen ihn rückwirkend (!) dazu verpflichtete. Das Verständnis für die Politik dieses neuen Staates endete an dieser Stelle für ihn endgültig. Auch gesundheitlich hat diese Odyssee für ihn Folgen gehabt. Zusammen mit ihm getragen hat die ganze Last Ehefrau Margherita (geb. 1944, Zahnärztliche Helferin) mit der er seit 1967 verheiratet ist und einen gemeinsamen Sohn hat (Marco, lebt in Paris, arbeitet in der Gastronomie). Familie Greger bedauert den Verfall moralischer Werte in der neuen Gesellschaft und lebt selbst geprägt von Ehrlichkeit, Ordnung, Pünktlichkeit und Respekt gegenüber anderen Menschen. Ihr Sohn ist ihr ganzer Stolz, sein Wohlergehen größter Wunsch und die Entfernung zu ihm löst ein wenig Traurigkeit aus. „Du warst schon immer ganz schön stachlig“, sagt Margherita Greger zu ihrem Mann achtungsvoll über seine lebenslang kritische Haltung und die Gradlinigkeit zu seinen Ansichten zu stehen. „Du hast es doch gut bei mir“, lacht der und beide freuen sich auf die bevorstehende Goldene Hochzeit.