MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Herbert Grams

Historie erlebbar machen

Herbert Grams

Lehrer i. R.
07356 Bad Lobenstein

Ältere Menschen sind ein Segen für nachfolgende Generationen. Sie können Geschichte erlebbar machen und sie in das Bewusstsein Jüngerer eindringen lassen. Geboren wurde Herbert Grams am 02.04.1934 in Marwitz/Hinterpommern als Sohn von Landwirten. Am 12. Februar 1945 flüchtete die Familie in einem Treck mit 14 Gespannen nach Griebenow bei Greifswald. So schnell wie möglich wollten Eltern und Großeltern zurück, um ihre Felder bestellen zu können. Die Heimreise, mit zwischenzeitlichen Übernachtungen auf freiem Feld begann. Am 5. Mai erreichten sie den Sammelplatz bei Mescherin, wo eine gesperrte Brücke sie am Weiterkommen hinderte. Noch gut erinnert sich Herbert Grams an den 8. Mai, den Höllenlärm der Stalinorgeln und das Kriegsende. Einen Tag später wurde die Brücke freigegeben und konnte endlich der letzte Abschnitt der Heimkehr bewältigt werden. Doch in Marwitz standen sie vor dem Nichts. Der Hof war abgebrannt und nur acht Wochen später wurden sie vertrieben. Nach erschöpfender Quartiersuche etablierte sich die Familie erneut in Griebenow und Herbert Grams setzte seine Schulbildung fort. Ein Jahr hatte er verloren, eines durfte er überspringen. So kam es dazu, dass er niemals die sechste Klasse besuchte. Untergekommen bei einem Bauern begann er als Kleinknecht und arbeitete 3 ½ Jahre ohne je einen Lehrvertrag zu bekommen. Nun machte sich der Vater für seinen Sohn stark und dieser erhielt einen solchen. Als er die Fachschule für Landwirte in Malchow besuchte, lief eine Werbeaktion. Berufsschullehrer für Landwirtschaft wurden in Schwerin gesucht. Herbert Grams entschied sich für die damals einjährige Kurzausbildung. Während dessen stellte sich plötzlich heraus, dass man gar nicht mehr so viele Lehrer für diesen Bereich benötigte. Freiwillig begab er sich nach Thüringen und musste landwirtschaftlich geprägt an die Berufsschule für Schieferwerker. Dies war keineswegs seine Richtung, doch einen wunderbaren Ausweg lieferte ihm der Wechsel in die Polytechnische Oberschule. 20 Jahre lang lehrte Herbert Grams an der Diesterweg-Schule in Lobenstein, weitere acht Jahr führten an die Heinrich-Rau-Schule und 1988 geschah das Unfassbare – die Stimme versagte, er konnte nicht mehr unterrichten. Einen Notanker bot sein Faible für Kulturelles. Er wechselte zum Rat des Kreises, Abteilung Kultur, und avancierte u.a. zum Leiter des Kulturhauses. In Wirren der Wende setzte er seinen Weg im Landratsamt Lobenstein fort, doch Kreisreformen veränderten alles und verschlossen die Zukunft. Mit 58 Jahren wurde ihm nahe gelegt, sich in den Vorruhestand zu begeben. Er vergrößerte sein ehrenamtliches Engagement, setzte sich für den Erhalt des Faschingsclubs ein, gehört als Mitglied des Bundes der Vertriebenen nun schon viele Jahre dem Vorstand an und agierte lange als Kampfrichter im Wintersportzentrum des Bezirkes Gera. Hobbymäßig arbeitet er die Historie anhand alter Zeitungen auf und veröffentlicht eigene Artikel in der Pommerschen Zeitung. Weit über 50 Jahre ist er mit Ehefrau Eva verheiratet. Tochter Ute ist Gymnasiallehrerin, Sohn Robert betreibt als Gastwirt sein Restaurant. Die Enkelin lebt in Barcelona, der Enkel in Rostock und größte Freude bescherte die erste Urenkelin.
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