MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Doris Gowik
Inzwischen zwanzig gemeinsame Jahre
mit Siegfried Baum
Krankenpfleger
Textilfacharbeiterin
08451 Crimmitschau
Als 1996 Doris Gowiks Mann starb, war dessen Freund zur Stelle, bereit sich um sie zu kümmern, gemeinsame Sorgen und gemeinsame Freude zu erleben.
Doris Gowik begann ihr Leben 1949 in dem Haus, in welchem sie noch immer heimisch sein darf. Nach dem Abschluss der 8. Klasse ging sie in die Lehre zur Textilfacharbeiterin beim VEB Volltuchwerke Crimmitschau. Danach fing sie in einer großen Wäscherei an, die vor allem für Krankenhäuser, Betriebe und Schulen arbeitete. In Zwischenzeiten, die der Familie, dem Sohn Christian galten, entdeckte sie ihr Faible für die Hinterglasmalerei, die von einer Freundin bei Kurgästen vertrieben wurde, so dass Frau Doris, formal Hausfrau, doch erfreulich zum Familieneinkommen beitragen konnte. Als der Bedarf sank, denn die Menschen in der ehemaligen DDR konnten 1990 endlich volle Angebote erleben, begann sie als Hilfe in Praxis und Haushalt eines Arztes, eine Tätigkeit, die sie bis zum Rentenbeginn 2009 ausüben konnte.
Siegfried Baums Lebensweg begann 1933 in Gesau, nur wenige Kilometer östlich gelegen, wo der Vater als Kutscher, die Mutter in der Textilindustrie tätig waren. Nur, dass die familiäre Gemeinschaft nicht hielt, sich Siegfried Baum 1947 (mit der Mutter gab es kleinen Streit, die Lehrstelle in der Gießerei, die er nach dem Abschluss der 8. Klasse antreten musste, überforderte körperlich) zum Vater Richtung Hannover absetzte. Doch bis Hannover war es ein langer Weg, der zu Fuß, im Bremserhäuschen, auch mal beim Kohlenschippen auf der Lok bewältigt werden musste, denn für die Fahrkarte fehlte das Geld. In Niedersachsen arbeitete er auf einem Bauernhof, die Landwirtschaft lag ihm nahe, aber da hatte er keine Lehrstelle bekommen. Auch eine Maurerlehre brach er ab, arbeitete wieder beim Bauern, ehe es zurück nach Crimmitschau ging, wo er in einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Arbeit fand, ehe die ehrenamtliche Arbeit für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) auf neue Bahnen führte. Er absolvierte Lehrgänge, wurde zum Krankenpfleger ausgebildet, bestand das Staatsexamen. Vom DRK wechselte er später ins Krankenhaus und in den letzten Berufsjahren in ein Pflegeheim. Daneben hatte er immer etwas Landwirtschaft im Nebenberuf betrieben, bis zu einhundert Enten, fünfzehn Schafe waren zu versorgen, dazu die Hasen, die er heute noch hält. Die beiden Sprösslinge der dritten Generation, je eins von ihrem Sohn und seiner Tochter aus der geschiedenen Ehe, sind zu gemeinsamen Enkelkindern geworden.