MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Hans-Udo Granzner

Immer gerade durch die Tür!

Hans-Udo Granzner

Inhaber Sanitär- und Heizungstechnik
Leipziger Str. 6
06749 Bitterfeld-Wolfen OT Bitterfeld
Fon: 03493 / 68656

Aus dem Sudetenland stammend und in Radegast angesiedelt, besuchte der 1944 geborene Hans-Udo Granzner hier die Schule, hatte eigentlich den Wunsch Landmaschinenschlosser zu werden. Doch während der Schulzeit mit westlicher Literatur erwischt, schlug sich dieses Vergehen auf seine schulischen Bewertungen nieder, führte zu einem zusätzlichen Schuljahr und dem Versagen der erwünschten Lehre. Deshalb lernte er dann Rohrschlosser in der Farbenfabrik Wolfen. Mit 1,85 Mark Stundenlohn war die Arbeit schlecht bezahlt, so dass Hans-Udo Granzner nach der Lehre kündigte. Er kehrte aber wieder in die Farbenfabrik zurück, wegen der Aussicht auf eine Wohnung. Kaum war diese bezogen, wurde er zum Wehrdienst einberufen und nach Rückkehr und noch jung an Jahren zum Meisterlehrgang delegiert. 26 Jahre war er, als er den Meisterbrief in den Händen hielt und damit jüngster Meister im Chemiekombinat Bitterfeld (1968 Kombinatsbildung). Mit ca. 20 anderen Kollegen war er innerhalb der Bauabteilung des Chemiekombinates für die Erhaltung der betrieblichen Einrichtungen, angefangen von den Werkswohnungen, bis hin zu den Kindergärten und Ferienheimen, verantwortlich. Er erinnert sich noch daran, wie gut es war über begehrte Artikel aus der Produktion des Chemiekombinates zu verfügen, wenn es darum ging benötigtes Material aufzutreiben. Man tauschte ganz einfach! Eines der sieben Weltwunder der ehemaligen DDR war, dass es nichts gab und trotzdem hatten alle alles. Bereits in dieser Zeit überlegte er, ein selbstständiges Gewerbe anzumelden. Doch als privater „Häuslebauer“ war er schon aufgefallen und als Genosse nun noch wirtschaftliche Selbstständigkeit anzustreben – dieses Ansinnen traf auf wenig Gegenliebe. So blieb er im Betrieb bis die Wende kam. Die neuen Bedingungen gefielen ihm nicht. Die neuen Chancen sah er wohl und nahm ab 01.02.1991 die Geschicke in die eigenen Hände. Er gründete auf dem ehemaligen Betriebsgelände seine Firma für Sanitär- und Heizungstechnik. Rückblickend auf seine Tätigkeit und die Zeit vor und nach der Wende stellt er fest, dass die Ehrlichkeit verloren gegangen ist. Auf Zusagen per Handschlag wie früher kann man sich heute nicht mehr verlassen, alles muss genau geprüft werden auf versteckte Fallstricke. Hingegen ist das Angebot an Material ein absoluter Zugewinn, der das Arbeiten freudvoller gestaltet. Als Obermeister der Innung Sanitär, Heizung und Klima engagiert er sich für die Kreishandwerkerschaft Bitterfeld-Wittenberg. 2004 kämpfte er für die Verwaltungsreform und bedauert die verpassten Chancen für eine Stadt mit ca. 74.000 Einwohnern. Er ist stolz auf sein Lebenswerk und auf seine Familie mit Ehefrau Helga, die Töchter Diana und Claudia und die vier Enkelkinder. Sein Lebensmotto: „Immer gerade durch die Tür“ ist Selbstanspruch und Forderung an die Mitmenschen.
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