MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dieter Graf
Das Wende-AUS
Walther-Rathenau-Platz 8
06791 Gräfenhainichen OT Zschornewitz
Fon: 034953 / 89873
Dieter Graf wurde 1934 als Sohn eines Dachdeckers und einer Strumpffabrik-Arbeiterin geboren. Sechs Jungs waren sie zu Hause und als der Vater in den Kriegsdienst eingezogen wurde, konnte die Mutter alleine die Familie nicht versorgen. So wuchs der kleine Dieter vier Jahre bei den Großeltern heran, die eine Landwirtschaft betrieben. Für ihn war deshalb klar, nach der Schule würde er Bauer werden. Doch es kam anders. Nach dem Schulbesuch 1940–1948 beendete er diese mit der 8. Klasse, lebte aber seit seinem 10. Lebensjahr wieder in seiner Familie. Der Vater hatte ihn – zurück aus der Gefangenschaft – wieder nach Hause geholt. Bauer zu werden, so fand der Vater, war nur etwas, wenn man auch einen Hof haben könnte und so überzeugte er den Sohn, wie er, Dachdecker zu werden. Drei Jahre lernte der in einer kleinen privaten Firma, fünf Jahre blieb er als Facharbeiter dort. Er wollte jedoch nicht das tägliche Einerlei, wäre am liebsten auf Walz gegangen wie früher der Vater. Und wenn das schon nicht ging, wollte er wenigstens beruflich dazulernen. So wechselte er als Dachdecker in die Farbenfabrik Wolfen, später nach Zschornewitz ins Kraftwerk. Hier gab es eine komplette Abteilung, die für den Erhalt und die Instandsetzung der Betriebswohnungen zuständig war. Es wurden keine Fremdfirmen beauftragt, alles erfolgte in eigener Regie des Betriebes – bis zur Wende. Der Betrieb wurde nun geschlossen. Zwei Jahre war Dieter Graf noch durch das Altersübergangsgeld abgesichert, mit 65 Jahren ging er in die Altersrente. Eine Zeit, in der überall Nachholbedarf war. Insofern war der Ruhestand kaum zu spüren, denn Anfragen nach Hilfe kamen dem Handwerker vielfach ins Haus. Indessen liegen auch diese Zeiten weit zurück und Dieter Graf nutzt die mit der Wende mögliche Reisefreiheit ausgiebig. Sein kleines Betriebshaus, das er einst für 26,50 DDR-Mark bewohnte, musste er nach erfolgter Rekonstruktion auf Grund des Mietanstieges verlassen. Heute lebt er mit seiner Lebensgefährtin in einer kleinen Wohnung und erwähnt, dass diese immerhin auch schon 440 Euro Miete kostet – nur mal so zum Vergleich. Margarete Städter begleitet seinen Lebensweg seit 1998. Auch sie hat im Kraftwerk gearbeitet – in dem Bereich, der die Getränke für alle Betriebsangehörigen herstellte, diese zusätzlich an andere Betriebe und Einrichtungen, wie die Schmelze und das Pflegeheim lieferte. Auch sie erlebte die Schließung dieses Betriebsteiles mit. 56 Jahre alt war sie erst, als der Meister ihr den Gang in den Vorruhestand nahe legte. Nun ist sie seit 1990 nicht mehr berufstätig, teilt die freie Zeit mit Dieter Graf bei gemeinsamen Reisen, im Garten und auf dem Fußballplatz. Acht Kinder gehören zu der Patchwork-Familie, acht Enkel und fünf Urenkel bereichern das Geschehen.