MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Prof. Dr. Gottfried Graustein
40 Jahre im Dienste der Sprachvermittlung
Anglist
Version:1.0 StartHTML:0000000167 EndHTML:0000000555 StartFragment:0000000454 EndFragment:0000000539 04279 Leipzig
Auf diese lange Zeit kann der Anglist mit Stolz zurück blicken. 1932 in Striegau in Schlesien geboren, zog die Familie 1939 nach Lützen in Sachsen-Anhalt um. Die Kindheit von Gottfried Graustein war durch Kriegserlebnisse schwer belastet. Der Junge erlebte Bombardierungen hautnah, und als eine Luftmine das Haus traf, wurde er im Keller verschüttet. Mehrmals musste er Wohn- und Schulort wechseln. Trotz der Widrigkeiten beendete er 1950 die Oberschule in Lützen mit dem Abitur und begann ein Sprachstudium. Er hatte Glück, dass noch das alte Studiensystem galt, nach dem er nicht gezwungen war, die Kombination mit Russisch zu wählen. Das Studium schloss er mit einem Diplom ab. Der Diplomanglist wäre gern in Richtung Lehren und Bibliothekswesen tätig geworden, doch zunächst gab es keine Arbeit für ihn. Englisch war in der DDR wenig gefragt. Auf eine Ausbildung in einem weitern Fach konnte er nicht verweisen. So nahm Gottfried Graustein eine Assistentenstelle im Universitätsarchiv in Leipzig an. Nebenbei erarbeitete er sich die Lehrbefähigung für die Universität und wurde am Institut für Anglistik und Amerikanistik Dozent für Englisch. 1963 erhielt der Anglist den Doktortitel, 1976 wurde er zum Professor berufen. Mit seiner Dissertation machte er die spätere Nobelpreisträgerin Doris Lessing bekannt. Bis 1995 lehrte der Professor Englisch an der Universität. Gottfried Graustein war Lektoratsleiter und zuletzt Institutsdirektor. So stand er fast 40 Jahre im Dienst der Sprachvermittlung. Dies war für ihn eine Arbeit, die er selber gestaltete. Der Anglist konnte Studiengänge und Forschungen selbst planen. Somit hatte er an seinem Beruf immer große Freude.
Auch in der Freizeit lässt ihn die englische Sprache nicht los. Gottfried Graustein übersetzte seinerzeit eine dreibändige Ausgabe über Jonathan Swift. Heute beschäftigt er sich mit der Sprache von Swift, als Beispiel für die englische Sprache im 18. Jahrhundert.
Mit seiner Ehefrau Irmgard, einer Kinderpsychologin, seit 1962 verheiratet, unternimmt er gern Radtouren und Ausflüge mit dem Auto. Kulturell sehr interessiert, nutzt das Ehepaar die vielen Möglichkeiten, die Leipzig bietet. Umweltbewusst hofft der Senior auch für die spätere Zukunft „ … auf das Weiterbestehen des Zustandes des Lebens.“