MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gudrun und Werner Ballschmieder

„Das Aussortieren des Unwesentlichen ist der Kern aller Lebensweisheit.“ (Laotse)

Gudrun und Werner Ballschmieder

Diplom-Lehrerin Mathematik
Drogist Buchhändler
Färbergasse 28
04808 Wurzen

1928 als uneheliches Kind geboren, wuchs Werner Ballschneider dieser Ursache geschuldet, bei seiner Großmutter – einer Schneidermeisterin – auf. Er berichtet von einer sehr schönen Kindheit trotz schwerer Zeiten, und dass er seiner Großmutter (Kriegswitwe) viel zu verdanken hat. 1934–1942 besuchte er die Volksschule. Feinmechaniker oder Drogist wollte er werden und hatte Glück, denn ihm wurde eine Drogistenlehre angeboten (Germania-Drogerie Wurzen). „Das war der Volltreffer. Ein wunderbarer Beruf. Damals gab es noch Drogisten, die gibt es heute nicht mehr. Heute gibt es nur noch Kramverkäufer....“ sagt Werner Ballschmied. Mit 16 Jahren wurde er zum Militär eingezogen, kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1947 entlassen, durfte er nicht in die Ostzone und damit nicht nach Hause. Bei den Eltern eines Kameraden, später bei dessen Onkel, kam er vorerst unter. Er arbeitete in der Landwirtschaft, lernte viel und war zufrieden – bis auf das nagende Heimweh. Nach einem Jahr gab er dem Bedürfnis nach hause zurückzukehren nach „und dann ging die Odyssee mit den Berufen los“, berichtet er. In der Ziegelei musste er zwangsweise arbeiten, sich als Versicherungsvertreter verdingen, bevor er wieder in der Drogerie unterkam in der er einst gelernt hatte. Als begnadeter Schaufensterdekorateur wurde er vom Chefdekorateur der Konsumgenossenschaft abgeworben und entsprechend tätig. Während der Dekoration in einer Buchhandlung sprach man ihn später an im Buchverkauf und als Außensortimenter tätig zu werden – so kam er schließlich zu seinem nächsten Beruf, den er von der Pike auf erlernte: Buchhändler. Eine Erfolgsgeschichte. Schnell war er Buchhandlungsleiter in Wurzen und Kreisbuchhändler. DDR-weit wurde er eingesetzt zur Förderung des Buchhandels. Er führte die Pressewerbung ein, eröffnete ein Bilderkabinett und sorgte für tätige Vertriebsmitarbeiter. Nebenher dekorierte er noch immer die Schaufenster der Buchhandlungen – Preisgekrönt. Politische Differenzen führten zur Idee eine Zoohandlung zu führen und ihrer Umsetzung. Auch das gestaltete sich als Senkrechtstart. Was er auch in die Hand nahm, es wurde ein Erfolg und setzte nachhaltige Zeichen – sowohl beruflich als auch gesellschaftlich. Ab 1954 war er neben seinen Berufen als Freizeitreporter und Gerichtsberichterstatter tätig– 55 Jahre lang. Mit einer naturgegebenen Stimme sang der Solo-Tenor nicht nur im Chor (sang auch mit dem Gewandhausorchester), er betätigte sich auch im Bühnenbau. In der Nationalen Front war er 20 Jahre als Vorsitzender aktiv. Die Wende und Privatisierung des Geschäfts führte ihn 1991 in die Arbeitslosigkeit und schließlich in den Ruhestand. Das Positive der Wende war die neue Reisefreiheit, die es ihm ermöglichte mit seiner Frau die halbe Welt kennenzulernen. 1971 heiratete er seine Frau Gudrun. Die 1943 geborene Tochter einer Prokuristin und eines Gürtlermeisters (Mitarbeit am Foyer-Kronleuchter der Semperoper) wuchs mit drei Brüdern und in der Kriegs- und Nachkriegszeit auf. Sie lernte so beizeiten sich durchzusetzen. Mehlsuppe zum Frühstück, Hilfe beim Bauern, Kamillentee und Heidelbeeren sammeln gehörten zu ihrer Kinderzeit. Nach Abschluss der 10. Klasse ging sie an das Institut für Lehrerbildung nach Leipzig (1959–1961), wurde Grundschullehrerin. Mit 18 Jahren stand sie vor ihrer ersten Klasse – an vier Unterrichtstagen und einem Tag weiterer eigenen Ausbildung. An der Volkshochschule holte sie ihr Abitur in Mathematik nach, konnte mit dieser Grundlage am Institut für Lehrerbildung in Halle nebenberuflich studieren und Mathematik-Lehrerin werden (1969). Sie unterrichtete an verschiedenen Schulen – ab 1974 an der Wilhelm-Pieck-Schule Wurzen – Mathematik in der Oberstufe bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2003. Die Jahre 1992–2003 fungierte sie zudem als stellvertretende Schulleiterin. Die ehemalige Basketballspielerin findet heute ihre körperliche Betätigung auf dem 2700 Quadratmeter großen Grundstück, während er der Koch der Familie ist, wie er sagt. Seine Kreativität ist auch dabei sprichwörtlich. Die Eheleute sind geradeheraus, tatkräftig und stolz auf ihr Arbeitsleben. Werner Ballschmieder zudem auch auf seine beiden Kinder aus erster Ehe, wenn auch traurig darüber einen Sohn durch schwere Krankheit verloren zu haben. Die Art der Medienberichterstattung, des Umgangs mit Informationen, die Beeinflussung der Menschen und die Diskrepanz zwischen Überfluss und Bedürftigkeit machen die Eheleute zornig.
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