MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ulla Bahndorf
Zwischen Braunkohledreck und Seenlandschaft
und Rolf Bucklisch
Fachverkäuferin für Lebensmittel
Meister der Landwirtschaft, Gleisbauer
Robert-Koch-Str. 4
04575 Neukieritzsch OT Deutzen
Als Ulla Klepzig kam sie 1939 in Oberschöna (bei Freiberg / Sachsen) zur Welt. Ihr Bruder starb sehr jung, ihr selbst blieb von Kriegszeiten vor allem ein Flugzeugabsturz nahe ihrem Haus in Erinnerung. Sie besuchte die örtliche Schule von 1945–1953, wurde in ihrer Jugend Kreismeisterin im Skilanglauf. Zwei Jahre dauerte die Lehre als Fachverkäuferin für Lebensmittel bei der Staatlichen Handelsorganisation (HO) in Freiberg. Danach blieb sie nur noch kurz in diesem Job, arbeitete eine Zeitlang in der Mechanischen Werkstatt Freiberg und in der Hilbersdorfer Zweigstelle der Sparkasse. 1957 heiratete sie, im selben Jahr wurde Sohn Uwe geboren. Da fing sie im Konsum-Lebensmittelladen von Oberschöna an. Doch durch ihren Ehemann, der in Freiberg studiert hatte, später als Ingenieur im Bergbau tätig war, wechselten sie 1960 ins Südleipziger Kohlerevier, wurden in Deutzen ansässig. Hier kam 1961 Tochter Carmen zur Welt. Ulla Bahndorf arbeitete nun wieder als Verkäuferin bei der HO, dann in einer Bäckerei, fand durch ihren Mann jedoch im Braunkohlenwerk Regis eine Stelle als Sachbearbeiterin für den Berufsverkehr, die sie über zwanzig Jahre ausfüllen durfte. Als mit dem Ende der DDR die Produktion des Werkes massiv abgespeckt wurde, entschied sie sich für den Vorruhestand, zumal die gesundheitlichen Beschwerden ihr bald zusetzen sollten. Mit ihrem Mann (2008 verstorben) freute sie sich an zwei Enkeln, auch das erste Urenkelkind ist schon zu bewundern. Mit dem ebenfalls verwitweten Rolf Bucklisch fand sie einen neuen Partner für ihren Alltag und die schönen Stunden des Lebens. Dieser wurde am ersten Tag des Jahres 1935 in Hain geboren. Dort, wo einst seine Wiege stand, ist heute Wasserlandschaft, denn wenig später fiel der Ort dem Braunkohletagebau zum Opfer, die Grube ist inzwischen geflutet, bildet den Hainer See. Der junge Rolf wuchs ohne Vater auf, seine Mutter hatte eine Neubauernstelle, so dass er manchmal statt in die Schule (Abschluss 8. Klasse 1949) mit aufs Feld musste. Rolf Bucklisch machte noch seine Prüfung als Meister der Landwirtschaft, doch als die Kollektivierung greifen sollte, wechselte er in den Tagebau Witznitz, arbeitete zeitweilig bei der Entwässerung auch untertage, ging für die Tief- und Gleisbau Firma Bauer in Leipzig auf Montage und konnte dann über viele Jahre bis 1999 als Polier im Kohleanlagenbau bei der Errichtung von Kraftwerken das Geld für seine Familie, zu der die vier Kinder Gerd, Bernd, Annett und Elke gehören, verdienen. Seine Frau verstarb im Jahr 2000. Drei Enkel, zwei Urenkelkinder erweiterten die Familie.