MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helmut Baier
Ein begeisterter Eisenbahner sein Leben lang
Diplomingenieur (FH) für Bauwesen
Am Grund 12
99192 Neudietendorf OT Kornhochheim
Einmal die Jahrtausendwende zu erreichen, das hätte er sich als junger Mann nie vorstellen können. Inzwischen ist Helmut Baier aus Neudietendorf, Ortsteil Kornhochheim, über 85 Jahre alt. „Johannes Heesters will ich überflügeln, aber ohne Gesang“, sagt der Thüringer Diplomingenieur (FH) für Bauwesen augenzwinkernd mit einem schalkhaften Lächeln. Dabei wollte er mal Dirigent werden. Sein Musiklehrer hätte ihm sogar das Studium bezahlt, aber Helmut Baiers Mutter sprach von „brotloser Kunst“. Sein ganzes Leben war er ein begeisterter Eisenbahner – 37 Jahre lang. Helmut Baier ist mit seiner Frau Carla (zeitweise auch bei der Bahn angestellt gewesen) seit 1959 glücklich verheiratet, hat einen Sohn (Matthias, geboren 1960, Militärwissenschaftler, heute in der Versicherungsbranche) und eine Enkeltochter (lebt in England). Geboren 1929 in Erfurt, wuchs er als „echte Erfurter Puffbohne“ dort auf und wurde Ostern 1936 in die Gutenbergschule eingeschult. 1948 legte Helmut Baier sein Abitur an der Humboldt-Oberschule ab. Als sein Vater, ein gelernter Fleischer, bei einem Bombenangriff 1944 ums Leben kam, brachte die Mutter ohne Beruf Sohn Helmut und seine Schwester allein durch. Sie war eine energische Frau („die Kinder sollen es einmal besser haben“), angestellt in einer Annahmestelle einer Chemischen Reinigung, in der Helmut als Laufbursche sein Schulgeld selbst verdiente. In Erfurt besuchte er die Fachschule für Bauwesen, schloss diese 1954 als Ingenieur ab und wollte im See- und Hafenbau tätig werden, schrieb viele Bewerbungen, erhielt aber nur Ablehnungen. Immer hatte die Mutter ihm geraten: „Junge, geh zur Eisenbahn, da hast du eine Lebensstellung!“ Das wollte er eigentlich nicht, entschied sich schließlich im Februar 1954 doch bei der Deutschen Reichsbahn (DR) zu bewerben. Er begann seine Berufslaufbahn mit einer eisenbahnspezifischen Ausbildung in der Bahnmeisterei Neudietendorf, musste alle Bereiche durchlaufen und wurde im Bereich Eisenbahnbrückenbau eingesetzt, zunächst als Technologe in Erfurt. Ab 1957 Leiter der Brückenmeisterei in Neudietendorf, unterstanden ihm etwa 80 Mitarbeiter. Seine Dienststelle entwickelte sich jedoch im Laufe der Jahre zur größten Brückenmeisterei in der DDR mit ca. 250 Beschäftigten.1960 erhielt der Experte für Bahn-, Brücken- und Tunnelbau in Neudietendorf eine Dienstwohnung. Bis zur Wende war er dort als Dienstortältester neben seiner Dienststelle auch verantwortlich für Bahnhof, Oberbauwerk und Kontakte außerhalb der DR. Dann wurde die Strukturen der Reichsbahn an die der Bundesbahn langsam angepasst. Helmut Baiers Verantwortungsbereich blieb weiterhin die Instandhaltung und ständige Überwachung von ca. 2000 Brücken, 29 Tunneln sowie Stützmauern auf Bahnhöfen im Raum Erfurt, Gera, Suhl und Halle/S. Ihre Betriebssicherheit galt es zu gewährleisten. In den 37 Jahren seiner Dienstzeit ist kein Schaden an den Bauwerken entstanden, der ihm auf die Füße hätte fallen können, zieht der Reichsbahnhauptrat a. D. seine persönliche Bilanz. Er ist stolz auf das Geschaffene und Erlebte. Die Familie kam meist zu kurz, denn Helmut Baier hatte Dauerstress, war oft sonntags und nachts unterwegs. Ehefrau Carla hat ihn stets sehr unterstützt. Helmut Baier liebt klassische Musik und den Umgang mit dem Computer. Zusammengehörigkeit in der Familie und Gesundheit bedeuten für ihn größtes Glück.