MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Liddy Bandlofsky
Ich bin zufrieden mit dem, was ich hab
Arbeiterin
Pfarrsteig 6
08485 Lengenfeld
Fon: 037606 / 36494
So antwortet die Rentnerin Liddy Bandlofsky, wenn sie auf ein einfaches, aber erfülltes Leben zurückblickt. Kommt man mit ihr ins Gespräch, so lernt man eine nette, aufgeschlossene, aber auch resolute Frau. Sie mag verträgliche Menschen und ist glücklich, trotz ihres hohen Alters immer noch gesundheitlich fit zu sein.
Liddy Bandlofsky lebt sehr gern in Lengsfeld. Sie liebt die Landschaft des Vogtlandes und mag dessen Menschen mit ihren schönen Traditionen und Festen. In ihrem Haus wohnt sie mittlerweile 60 Jahre, seit sie 1954 als Kind von 13 Jahren mit ihren Eltern und Geschwistern hier eingezogen ist.
Liddy Bandlofsky kommt am 25. August 1941 im schlesischen Waldau zur Welt. Ihre Eltern lernt sie nie kennen, der Vater kommt als Geisel um, die Mutter stirbt an den Folgen einer Vergewaltigung durch marodierende Rotarmisten. Die Kriegswaise wächst bei der Pflegemutter Selma auf, mit der sie als Umsiedlerin im Jahr 1947 ins Vogtland kommt, im selben Jahr wird sie eingeschult.
Nach acht Jahren Schule, im Jahr 1955 fängt Liddy Bandlofsky in einem Textilbetrieb in ihrer Region, bei der Firma Baumgärtl an zu arbeiten. Von Anfang an sind die jungen Leute voll in den Produktionsprozess einbezogen und werden zu allen anfallenden Arbeiten herangezogen. In dieser Zeit lernt die junge Textilarbeiterin ihren Mann Horst kennen, sie heiraten im Jahr 1959, ein Jahr später kommt der Sohn Hans-Joachim zur Welt, im Jahr 1961 folgt dessen Bruder Frank, im Jahr 1963 wird der Sohn Uwe geboren, der 1983 an den Folgen eines schweren Unfalls stirbt. Im Jahr 1966 kommt das erste Mädchen, die Tochter Sabine zur Welt und zwei Jahre später stellt sich mit dem Sohn Stefan erneut männlicher Nachwuchs ein. Alle Kinder sind beruflich erfolgreich, inzwischen gehören acht Enkelkinder und der halbjährige Urenkel Oskar zur Familie.
Nach der Geburt ihres ersten Kindes bleibt Liddy Bandlofsky bis 1964 zu Hause und widmet sich der Erziehung ihrer Kinder. Dann kehrt sie in ihren Betrieb zurück, wo sie sich immer sehr wohl gefühlt hat. Besonders gern erinnert sie sich bis heute an ihre damalige Meisterin, Frau Dietrich, die stets ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Mitarbeiterinnen hat. Der Betrieb wird 1991 abgewickelt, Liddy Bandlofsky trägt noch zwei Jahre Zeitungen aus, arbeitet bei der Firma „Jeske“ und genießt heute ihren wohlverdienten Ruhestand, den sie vor allem mit der Arbeit in ihrem Garten, beim Fernsehen oder bei diversen Festlichkeiten im Ort verbringt. Sie verweist ausdrücklich darauf, dass sie die Herausforderungen ihres Lebens größtenteils aus eigener Kraft bewältigt hat und ist auch heute noch am liebsten mit sich selbst allein.